Berlin : Neuer Investor will ganz schnell loslegen

Schon im Sommer 2011 könnten erste Häuser fertig sein. Marode Plattenbauten sollen abgerissen werden

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Ruinenstadt. Auf dem Gelände der ehemaligen Krampnitz-Kasernen nördlich von Potsdam sollen Wohnungen entstehen. Jörg Bohmfalk will sie vermarkten. Foto: Manfred Thomas
Ruinenstadt. Auf dem Gelände der ehemaligen Krampnitz-Kasernen nördlich von Potsdam sollen Wohnungen entstehen. Jörg Bohmfalk will...

Potsdam – Im politischen Potsdam herrscht noch immer Verwirrung, was es mit dem Verkauf der Kasernen in Krampnitz auf sich hat – da tritt plötzlich ein Investor auf. Ruhiges Wohnen in Potsdams grünen Norden verspricht er. „Ist das nicht idyllisch hier“, sagt Jörg Bohmfalk (62), der für die Desakon GmbH hier Wohnraum vermarktet. Seit dem Abzug der Sowjets liegt alles brach und verfällt. Aus manchen Dächern wachsen Birken, sattes Grün bricht die Asphaltdecke der schmalen Straßen auf, die Natur sprengt den Beton. Die Fenster der zweigeschossigen Bauten sind verrammelt, die Dächer marode, der Putz bröckelt. Nicht mehr lange, meint Bohmfalk „Im Herbst geht es los mit dem Verkauf, dann können die Arbeiten beginnen. Ein dreiviertel Jahr und die ersten Häuser sind fertig.“ Die ersten Interessenten sind da, es sind Makler aus Potsdam. Auch Kapitalanleger hätten sich bereits gemeldet.

Das Rennen um die besten Stücke ist eröffnet. 250 Wohnungen sollen in den früheren denkmalgeschützten Offiziershäusern an der Südspitze des 112 Hektar großen Geländes entstehen. Bohmfalk kann sich Zwei- und Vier-Familienhäuser vorstellen, DDR-Plattenbauten werden abgerissen. Und in den Kasernen der früheren Kavallerie-Reitschule sind 1300 Wohnungen möglich. „Die Lage ist ideal, nach Spandau sind es sechs Kilometer, ins Zentrum von Potsdam acht Kilometer. Drumherum sind vier Seen, manche Häuser haben einen Blick aufs Wasser“. Der Kaufpreis liege 30 Prozent unter den üblichen Kosten für sanierte Kasernenbauten in der Landeshauptstadt. Etwa 2000 Euro soll der Quadratmeter kosten und die Miete bei sechs Euro pro Quadratmeter liegen.

Er spricht von hohen Renditen für Anleger, von Steuervorteilen, weil die Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Und in Potsdam, sagt der 62-Jährige, „gibt es ja übergroßen Bedarf an Wohnungen“. Tatsächlich platzt die Stadt aus allen Nähten, der Zuzug reißt nicht ab.

Die Investoren im Hintergrund – die Nordland Investment GmbH und die Immoconcept GmbH – haben einschlägige Erfahrungen. Sie haben etwa Kasernen rund um den ehemaligen Hauptsitz des sowjetischen KGB in der DDR in Berlin-Karlshorst saniert. Dort entstand eine parkähnliche Anlage mit 15 Wohnhäusern und 320 Wohnungen, die meisten sind laut Bohmfalk vermietet. Der ganze Wirbel in der Brandenburger Politik um den dubiosen Verkauf des Gebiets aus Landeshand scheint ihn nicht zu beeindrucken, auch nicht zwei Vertreter des Landesrechnungshofes vor Ort. Zwar steht noch, wie das Finanzministerium bestätigte, das Land als Eigentümer im Grundbuch. Aber wohl nicht mehr lange. Die Investoren haben Voreinträge, so genannte Auflassungseinträge, insgesamt zahlten sie dem Vorbesitzer 7,2 Millionen Euro, mit dem das Land 2007 noch 4,1 Millionen Euro ausgehandelt hatte. Allerdings hat der sich verpflichtet, Abrisse und Altlastensanierung zu zahlen. Daher rechnet das Finanzministerium nicht mit Spekulationsgewinnen. Das Land muss dem Geschäft noch zustimmen, geht aber davon aus, dass die Stadt Potsdam eine Baugenehmigung in Aussicht gestellt hat. Wenn das stimmt, kann alles ganz schnell gehen.

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