Neuer Kunstort in Mitte : Auf ein Selfie im Bärenzwinger

Die ehemalige Heimat von Maxi und Schnute ruft Erinnerungen wach. Doch neben der Kunst fehlen Bären-Infos.

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Einzelzelle. Die Stadtbären Maxi und Schnute lebten beengt.
Einzelzelle. Die Stadtbären Maxi und Schnute lebten beengt.Foto: Thomas Loy

Das Leben als Berliner Stadtbär war von Enge und Genügsamkeit geprägt. So viel lässt sich schon nach drei Minuten Aufenthalt im Bärenzwinger am Köllnischen Park mit Gewissheit sagen. Unter den ersten Besuchern des neuen Kunstortes (täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet) war denn auch niemand, der ernsthaft in Zweifel ziehen wollte, dass die Zeit der Bärenhaltung hier für immer abgelaufen ist. Ob jetzt acht Jahrzehnte Kunst auf die Stadtbären folgen werden, die dort so lange gelebt haben, ist noch offen. Die Nutzung als Ausstellungsort ist zunächst für zwei Jahre geplant, danach wird man sehen.

Ein Bärenleben für die Kunst

„Hätte gedacht, es riecht hier noch nach Bär“, sagt ein junger Mann mit Fahrrad-Tornister, der zufällig vorbeigekommen ist. Nach einem kurzen Tratsch mit Benedikt, der hier die Aufsicht macht, ein paar Fotos und Kurznachrichten, ist er schon wieder verschwunden. Ein Selfie im Bärenzwinger dürfte in den nächsten Wochen sehr beliebt werden. Der Zwinger sieht noch fast so aus, als wäre Schnute, die 2015 eingeschläferte Bärin, gerade ausgezogen. Zwischen den Leitungen klemmen Strohreste, von der Decke schält sich die Farbe, Gerätschaften zum Kehren und Säubern hängen noch an ihren Haken. Die Bären sollen präsent bleiben, wenn die Kunst übernimmt. Bislang ist nur ein Musikvideo der Band Easter zu sehen, das im Außengehege gedreht wurde und mit Beobachtungen aus dem Bärendasein spielt. Ab 13. September sollen weitere Installationen dazukommen, auch in den bislang noch verschlossenen Käfigen.

"Von außen sah es größer aus"

Ein älteres Paar schaut sich um und tauscht Erinnerungen an die Stadtbären aus. Für die Kunst interessieren sie sich weniger. „Eine Ausstellung über die Bärengeschichte fände ich gut – wat ham se gefressen, wie war die Pflege“, sagt er. „Von außen sah es immer größer aus“, stellt sie fest. Peter Klein aus Lichtenberg, 75, ist ganz aufgeregt, jetzt im Zwinger zu stehen, der ja immer den Blicken verschlossen war. Schon als Steppke nach dem Krieg beobachtete er die Bären, wenn sie sich mal draußen blicken ließen. Die Geschichte des Ortes nach 1945 interessiert ihn brennend, doch Benedikt von der Aufsicht muss passen. Was die Leute so alles wissen möchten, konnte ja niemand ahnen.

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