Berlin : Neuer Landesvorstandssprecher: Ein Ruderer will bei den Grünen den Schlag angeben

Sabine Beikler

Till Heyer-Stuffer hat sich die "badische Art" seiner Heimatstadt Karlsruhe in Berlin bewahrt. "Gelassen, ruhig und schon etwas langsamer" sei man dort, im Südwesten Deutschlands. Vielleicht sagt der 41-Jährige deshalb auch nicht deutlich "Ich kandidiere als Landesvorstandssprecher der Berliner Bündnisgrünen", sondern umschreibt seine Sondierungsphase mit den Worten "Ich spiele mit dem Gedanken zu kandidieren". Nachdem Andreas Schulze, einer der amtierenden Landesvorstandssprecher, vor kurzem erklärt hatte, nicht mehr zu kandidieren, ist Till Heyer-Stuffer der erste potenzielle Nachfolgekandidat für dieses Amt.

Heyer-Stuffer kommt aus dem hochschulpolitischen Bereich, in dem er sich seit seinem Wirtschaftsingenieur-Studium an der TU Berlin Anfang der achtziger Jahren engagiert. Von 1993 bis 1997 war er neben seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Statistik und Wirtschaftsmathematik auch Vizepräsident an der TU Berlin. Damals zählte er sich zum Berliner Kreis der Reformer in den Hochschulleitungen, der sich als Gesprächsrunde auch anderen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber geöffnet hat. "Über diese Schiene bin ich zu den Grünen gekommen", sagt Heyer-Stuffer. Seit 1995 ist er Parteimitglied der Bündnisgrünen und hat seitdem verschiedene Mandate in den Parteigremien wahrgenommen. Er gehört als Berliner Delegierter des Hochschulbereichs zum Länderrat, arbeitet im Berliner Landesverband ebenfalls auf hochschulpolitischem Gebiet und war Mitglied in der Kommission für das Wahlprogramm der Berliner Grünen. Beruflich hat sich Heyer-Stuffer 1997 von Berlin nach Potsdam orientiert: Er ist im Rektorat der Universität Potsdam als hochschulpolitischer Referent tätig.

Seine berufliche Tätigkeit würde Till Heyer-Stuffer gern beibehalten, auch bei einer neuen Aufgabe im Grünen-Landesvorstand - "wenn ich gewählt werden sollte". Er möchte nicht nur im Büro des Landesverbands "rumsitzen", sondern auch Präsenz nach außen zeigen. Dabei müssten "Teamarbeit und eine gute Kommunikationsstruktur" im Vorstand stimmen. Die Arbeit der Partei möchte er gern effizienter organisieren: "Schneller und auffälliger reagieren", sagt er und würde das durch das Einsetzen von "kleinen Arbeitskreisen zum kurzfristigen Arbeiten" umsetzen.

Mit der Modernisierungsdebatte innerhalb der Grünen hat Heyer-Stuffer seine Probleme. "Das Thema haben sich alle Parteien zu eigen gemacht." Die Partei müsse vielmehr ihr Profil schärfen, stärker auf Berlin mit seiner Funktion als Regierungssitz und seine veränderte Bevölkerungsstruktur Bezug nehmen. "Auch wenn es Differenzen mit der Bundespartei gibt, müssen wir sie deutlich machen", sagt er zum Beispiel über den Vorstoß von Rezzo Schlauch, das Tarifvertragsrecht zu ändern. "Wir dürfen es uns nicht mit den Gewerkschaften verderben." Der 41-Jährige hält auch nichts von der Technologiefeindlichkeit einiger Parteimitglieder. "Die Kunst der Grünen muss es sein, auf Gefahren aufmerksam zu machen statt Schreckgespenste aufzubauen." Manchmal müsse man sich "eine blutige Nase holen, wenn man nicht alles, was modern ist, kritiklos hinnehmen will".

Dass er den ruhigen Argumentationsstil in der Landespolitik beibehalten wird, steht außer Frage. "Den Ausgleich hole ich mir beim Sport." Als ehemaliger Leistungssportler - Deutscher Vizemeister im Ruder-Zweier und -Achter in der Leichtgewichtsklasse - ist er regelmäßig auf dem Wasser. "Dann fällt von mir alles ab, was sich an Stress angesammelt hat."

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