Berlin : Neuer Streit um die Sicherheit auf dem Flughafen Tempelhof

Kontrollierte und nicht überprüfte Personen treffen auf dem Vorfeld zusammen BERLIN (kt/weso).Um die Sicherheit auf dem Flughafen Tempelhof ist eine neue Kontroverse entbrannt.Nach Ansicht von Privatpiloten sind die Sicherheitsmaßnahmen völlig unzureichend, während die Flughafengesellschaft hier überhaupt keine Probleme sieht.Noch immer nicht geklärt ist, ob es auf dem Flughafen Sabotageakte gegeben hat, wie es die Polizei annimmt. Sie hatte die Ermittlungen nach dem Absturz einer in Tempelhof gestarteten Maschine übernommen.Als Unfallursache wurde inzwischen aber menschliches und technisches Versagen festgestellt. Gegenüber dem Tagesspiegel kritisierte gestern ein Pilot, der regelmäßig mit seinem Flugzeug in Tempelhof startet und landet, die Sicherheitsmaßnahmen.Tempelhof sei einer der wenigen Flughäfen, wo kontrollierte und unkontrollierte Personen auf dem Vorfeld zusammentreffen können.Türen zu den Hangars, die nach Vorschrift abgeschlossen sein müßten, stünden häufig offen, und im Sicherheitsbereich würden Autos geparkt, was auf anderen Flughäfen völlig unüblich sei. Der Verkehrsleiter des Flughafens, Friedrich Kalweit, wies diese Vorwürfe zurück.Im ungünstigsten Fall könnten zwar kontrollierte und nicht überprüfte Personen auf dem Vorfeld zusammentreffen, eine unbeobachtete Übergabe von Gegenständen - Waffen oder Sprengstoff - hält Kalweit aber für ausgeschlossen. Privatpiloten werden vor dem Start nicht extra überprüft, was üblich sei.Der Privatflieger wies allerdings darauf hin, daß auch angekommene Personen, die das Vorfeld zu Fuß passieren, mit bereits abgefertigten und dort wartenden Passagieren zusammentreffen können. Daß Türen nicht verschlossen seien, hält Kalweit für ausgeschlossen.Nach dem Sabotageverdacht waren die Schlösser ausgetauscht worden.Privatfahrzeuge dürften auf keinen Fall im Sicherheitsbereich abgestellt werden. Nach wie vor ungeklärt sind die Anschläge auf ein Privatflugzeug und einen Hubschrauber in Tempelhof.Bei dem Helikopter war eine Ölleitung mit einem Lappen verstopft, bei der Privatmaschine fand der Pilot Fremdkörper in einem Triebwerk.In diesem Zusammenhang hatte die Polizei zunächst auch den Absturz der Cessna am Rosenmontag 1996 nahe dem bayerischen Freilassing gesehen.Die Braunschweiger Flugunfalluntersuchugsstelle (FUS) allerdings nennt nun menschliches Versagen der Piloten in Verbindung mit technischen Problemen an der Maschine als Unfallursache.Dennoch sind die Ermittler bei der Berliner Polizei nicht beruhigt: "Es kamen bei diesem Flug zu viele Dinge auf einmal zusammen", sagte ein Beamter der früheren Sonderkommission, die die Absturzursache herausfinden sollte.Die Piloten haben nach dem FUS-Bericht ihre Ruhezeiten unterschritten, und bei dem Flugzeug wurden Interspektionsintervalle nicht eingehalten und wahrscheinlich einige regelmäßig verlangte Wartungsarbeiten gar nicht erledigt. Was den Berliner Ermittlern keine Ruhe läßt, sind die Ungereimheiten in Zusammenhang mit dem Flug nach Salzburg.An Bord war der verurteilte Betrüger Gottfried Hoffmann, von dem sich die übrigen sieben Reisenden die Rückzahlung ihrer Einlagen erhofften, die sie Hoffmann für den angeblichen Bau einer nie geplanten Augenklinik in sechsstelliger Höhe zur Verfügung gestellt hatten.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben