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Neueröffnung in Berlin : Kreativer Protest vor Primark am Alex

Die Modekette Primark hat eine Filiale am Alexanderplatz eröffnet. Sogar der irische Premierminister reiste nach Berlin. Aktivisten äußern ihre Bedenken - mit Kleidertauschbörse, Performance und Bannern.

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Zwei Frauen halten ein Banner mit der Aufschrift "Mörderpreise" vor der neuen Filiale in die Höhe.
Zwei Frauen halten ein Banner mit der Aufschrift "Mörderpreise" vor der neuen Filiale in die Höhe.Foto: Nantke Garrelts

Die Billig-Modekette Primark hat am heutigen Donnerstag eine weitere Filiale am Alexanderplatz eröffnet. Am Vormittag wurden Journalisten und Fachexperten durch das ehemalige Saturn-Gebäude am Alexanderplatz geführt. Um 11.30 Uhr sollten die Türen geöffnet werden - doch daraus wurde nichts: Der irische Premierminister Enda Kenny wurde zur Eröffnung erwartet, verspätete sich aber, deshalb wurde das Band 20 Minuten später durchschnitten. Der Andrang an den Absperrgittern war zunächst geringer als erwartet, gegen 11.00 Uhr füllte sich der Vorplatz aber mit Einkäufern. Derzeit sind etwa 500 Menschen vor Ort, die nur noch in Schüben in die neue Filiale gelassen werden.

Der irische Textilriese eröffnet mit insgesamt einem Jahr Verspätung, die Wolfgang Krogmann von Primark Deutschland mit baulichen Schwierigkeiten, wie etwa der Verkabelung des über dem Laden liegenden Park Inn Hotels, erklärt. Statt eines schlichten Designs wie in der Filiale im Schloss Straßen Centers ist das Design der neuen Filiale bunt und berlinisch: Graffitis and Wänden und Säulen sollen an Straßenkunst und die Bemalung der Mauer an der East Side Gallery erinnern. Eine Installation an der Wand neben der Rolltreppe zu ersten Etage bildet alle Stadtteile auf einer Karte ab und spielt 35 Minuten lang verschiedene Projektionen und Soundeffekte ab.

Auch personell lehnt sich der Konzern aus dem Fenster: Insgesamt 830 Mitarbeiter sind am Alexanderplatz eingestellt, viele haben vorher in der Filiale im Schloss Straßen Center gearbeitet und sollen ihre Erfahrung einbringen. Alle Mitarbeiter trugen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift "I love Primark" und skandierten schon Stunden vor der Eröffnung den Namen ihres neuen Arbeitgebers. Zum neuen Wohlfühlimage des Kleiderriesen, der Filialen in neun Ländern unterhält und etwa 1,4 Millionen Kunden täglich abfertigt, sollen auch Jutebeutel mit dem "I love Primark"-Slogan sorgen, die an die Kunden verteilt wurden. Gratis-Wasserflaschen sollten dafür sorgen, dass die Shoppingwütigen bei dem Streifzug durch den 5000 Meter großen Laden keiner Ermüdungserscheinungen zeigten, ein DJ in eine blauen Bulli auf dem Vorplatz animierte die Wartenden schon ab neun Uhr morgens.

Die Zahl der Demonstranten blieb gering. In der Mitte des Alexanderplatzes stehen mehrere Stände von Initiativen, die über faire Bedingungen in der Textilindustrie informieren. Außerdem wird eine Kleidertauschbörse veranstaltet. Daneben übt sich eine junge Frau im kreativen Protest. Sie sitzt einer Mülltonne mit einer Nähmaschine. Die Aktion soll den Produktionsprozess versinnbildlichen. Einige Banner werden vor dem Gebäude hochgehalten, Informationsmarterial an den Ständen verteilt.

Es ist nicht die erste Filiale, die in Berlin eröffnet wird. Eine Weitere gibt es bereits in Steglitz - dort kamen allerdings 2000 Menschen zur Eröffnung. Zuletzt gab es Aufruhe um die Kette, da Hilfeaufrufe in eingenähten Etiketten in Kleidungsstücken gefunden wurde. Primark geht davon aus, dass diese gefälscht wurden.

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