Neues Geschäft in Prenzlauer Berg : Der Buchladen macht Theater

Die kleinen Buchhändler behaupten sich mit originellen Ideen gegen die großen Ketten. In Prenzlauer Berg hat jetzt ein Laden eröffnet, in dem es nicht nur ein Café, sondern manchmal auch eine Bühne gibt – und eine spezielle Auswahl.

Jana Kugoth
Klein wie eine Zweizimmerwohnung. Aber groß, was das Repertoire betrifft: Juliane Felsmann von „Einar und Bert“ bietet Theaterliteratur, Opernführer, CDs, Postkarten und mehr. Außerdem ist der Laden ihre eigene kleine Bühne. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Klein wie eine Zweizimmerwohnung. Aber groß, was das Repertoire betrifft: Juliane Felsmann von „Einar und Bert“ bietet...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Einar und Bert? Wer bei diesen Namen an die Muppets denkt, liegt falsch. Es geht um Einar Schleef und Bertolt Brecht. Nach den Größen der Theaterwelt hat Juliane Felsmann ihren brandneuen Buchladen in Prenzlauer Berg benannt. Der pure Wahnsinn in Zeiten von Amazon?

Dass in den letzten drei Jahren mehr als 20 Buchhändler in Berlin aufgegeben haben, macht der 37-Jährigen mit dem kurzen blonden Haar keine Angst. Klar, der Buchhandel fürchtet den Internetriesen Amazon. Seit der Postbote die Bücher direkt an die Haustür liefert, geht es den großen Handelsketten immer schlechter. „Die kämpfen ums Überleben“, sagt Felsmann. „Einar und Bert“ dagegen besetze eine Marktlücke: „Alles, was mit Theater, Schauspiel und Tanz zu tun hat.“ Die Buchhändlerin setzt auf persönliche Beratung, hilft auch dann, wenn der Kunde nur ungefähr weiß, wonach er sucht. Zuhören, nachfragen, zwischen den Zeilen lesen.

Juliane Felsmann hat in ihrem Germanistikstudium viel gelesen, von Praktika weiß sie, wie es hinter der Theaterbühne aussieht. „Irgendwann wurde mir klar, dass ich in der Theaterwelt nicht arbeiten will.“ Also Ausbildung zur Buchhändlerin, zuletzt Mitarbeit in einer Kiezbuchhandlung an der Greifswalder Straße.

Lese-Ecke. Der Theater-Buchladen in Prenzlauer Berg. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Lese-Ecke. Der Theater-Buchladen in Prenzlauer Berg.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Mit Einar und Bert schließt sich für mich der Kreis.“ In den schwarzen Regalen – von einem Architekten entworfen und so hoch, dass das oberste Fach, wie in alten Bibliotheken, nur mit einer Leiter zu erreichen ist – stehen neben Dramen und Künstlerbiografien Theaterzeitschriften, Filme und Musik-CDs. Es gibt Reclam-Hefte mit Libretto, die der Operngänger sich noch schnell vor der Aufführung holt. Oder das Lehrwerk zum Ausdruckstanz für die Theaterpädagogin. Schon jetzt bringt Felsmann es auf mehr als 500 Regalmeter Bücher, CDs und Hefte und Postkarten.

Plakate aus Berliner Theatern

Stolz ist sie auf das Café im Eingangsbereich ihres Ladens, der eigentlich nicht viel größer ist als eine Zweizimmerwohnung. Die Holzvertäfelung hinter der Café-Theke stammt aus der Molière-Trilogie, die an der Berliner Volksbühne aufgeführt wurde. Überhaupt finden sich die Berliner Bühnen im Laden wieder. An den Wänden hängen die Plakate vom Gorki, Volksbühne, Schaubühne, dem HAU und dem DT aus der aktuellen Spielzeit, perfekt mit Licht in Szene gesetzt.

Passt. Denn nach Verkaufsschluss wird „Einar und Bert“ zur Bühne. Abends und am Wochenende spielen Bands, lesen Schauspieler aus Romanen. Felsmann freut sich schon auf Corinna Harfouch am kommenden Samstag und auf den skandinavischen Musiker Helgi Jonsson am vorletzten Novembersonntag. Sie holt sich einfach das Theater ins Haus.

„Einar und Bert“, Winsstraße 72, Prenzlauer Berg. 31 Programmpunkte allein im November. 8.11., 20 Uhr: Corinna Harfouch. 23. 11., 13 Uhr: Musiker Helgi Jonsson. Tickets: www.einar-und-bert.de

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