Berlin : Neues Gesicht im jüdischen Leben

Bildungszentrum Chabad Lubawitsch eröffnet

Rabbiner und Oberrabbiner aus aller Welt nahmen gestern an der Einweihung des Jüdischen Bildungszentrums Chabad Lubawitsch in der Münsterschen Straße in Wilmersdorf teil. Zehn Rabbiner sollen in dem Zentrum jährlich ausgebildet werden, kündigte dessen Direktor Yehuda Teichtal an. Ihm ist es wichtig, jüdisches Wissen und jüdische Kultur zu verbreiten, um so auch die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wachzuhalten: „Jeder Mensch ist eine Kerze“, sagte er. „Zusammen können wir die Welt erleuchten.“

In einer sehr persönlichen Rede beschrieb der langjährige Oberrabbiner des Staates Israel, Meir Lau, wie er als Siebenjähriger in einem Sack auf den Schultern seines Brudes von Tschenstochau ins Konzentrationslager nach Buchenwald kam. Er trug die Thorarolle in die Synagoge, nachdem der Sänger Avraham Fried das Lied „Ani Meanim“ (Ich glaube) vorgetragen hat, das, wie Teichtal sagte, auch in den Konzentrationslagern gesungen wurde. Nathan Kalmanovicz, der den Zentralrat der Juden repräsentierte, sagte, dass dieser Tag ein weiterer Beweis sei, „dass der Geist der Freiheit und das jüdische Volk Hitler überlebt und besiegt haben“. Außenminister Frank-Walter Steinmeier dankte für das Vertrauen, das sich in diesem Zentrum zeigt: „Das Judentum hat viele Gesichter, es ist gut, wenn dieser Pluralismus auch in Berlin wieder erlebbar wird.“ Innensenator Ehrhart Körting gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Zentrum das Gespräch zwischen den drei großen abrahamitischen Religionen befördern werde. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Gideon Joffe, hob mit Freude das starke Wachstum der Gemeinde hervor und wünschte, dass auch diese Synagoge mit 250 Plätzen bald wieder zu klein werde. Unter den Gästen waren auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, US-Botschafter William Timken, der israelische Gesandte Ilan Mor und viele weitere hochrangige Diplomaten.

Das Zentrum ist das erste, das in Deutschland nach dem Krieg hauptsächlich aus privaten Spenden finanziert wurde. In der ehemaligen Bewag-Trafostation gibt es unter anderem eine Kulturbibliothek, ein koscheres Restaurant, ein Touristenzentrum und einen Judaica-Laden. Die orthodoxe Bewegung Chabad, die vor allem Juden aus Osteuropa anzieht, entstand im 18. Jahrhundert in den Karpaten. Bi

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