Neues Sicherheitssystem : Kita schaltet Scanner ab

Die Aufregung über das neue Sicherheitssystem hat die Kita "Zion" in Mitte völlig überrascht. Weil die Datenschützer Bedenken haben, bleibt der Fingerabdruck-Scanner vorerst aus. Die Eltern können ihre Kinder also weiter ohne Fingerabdruck abholen.

Susanne Vieth-Entus

Der Scanner bleibt vorläufig aus: Die Eltern der evangelischen Kindertagesstätte „Zion“ in Mitte müssen bis auf Weiteres nicht ihren Finderabdruck einlesen lassen, wenn sie ihre Kinder in die Kita bringen oder abholen. Dies wurde in der Tagesstätte am Dienstag beschlossen, nachdem es erhebliche Kritik an der geplanten Erfassung gegeben hatte.

„Wir organisieren zunächst eine Elternversammlung, um das weitere Vorgehen zu klären“, sagte am Dienstag Kita-Leiterin Christine Schimansky-Geier dem Tagesspiegel. Bei dieser Versammlung werde wohl auch der Datenschutzbeauftragte der Evangelischen Kirche, Detlef Rückert, zugegen sei. Rückert hatte bereits am Montag Bedenken angemeldet.

Die Kita-Leiterin zeigte sich betroffen über die öffentliche Wirkung des geplanten Scanner-Einsatzes. Er sei ihr „von einer Firma“ angeboten worden. Ziel sei es gewesen, einen leichteren Überblick über die Verweildauer der Kinder zu erhalten. Zudem könne man so besser kontrollieren wer schon abgeholt wurde.

Kritik von vielen Seiten

Schimansky-Geier betonte, es sei nicht darum gegangen, mittels des Scanners zu verhindern, dass Fremde die Kinder abholen. Allerdings verwies sie darauf, dass es „bundesweit“ bereits Kitas gebe, die solche Scanner einsetzen, um Unbefugte fern zuhalten.

„Von einem Einsatz in anderen Kitas höre ich das erste Mal“, wunderte sich der datenschutzpolitische SPD- Sprecher Andreas Kugler. Er lehnt die Pläne der Kita, die Fingerabdrücke der Eltern zu scannen, ab, zumal die Fehlerquote bei diesem Verfahren sehr hoch sei. Im Übrigen sei eine Kita doch „kein Hochsicherheitstrakt“. Nach Kuglers Angaben hatte sich am Dienstag der Ausschuss für Datenschutz in der aktuellen Viertelstunde mit dem Thema befasst. Dort habe auch der Berliner Datenschutzbeauftragte seine Bedenken angemeldet.

Wie berichtet, sollte der Scanner-Einsatz in der Kita „Zion“ als Testphase für die übrigen Kitas in Mitte dienen. Die Geschäftsführerin der Kitas, Kathrin Janert, gab zu, die Sensibilität des Themas „sehr unterschätzt“ zu haben.

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