Neukölln : Nur das Beste für die Bewohner

Im Rollbergkiez ist ein Streit über das richtige Quartiersmanagement entbrannt – und die Akteure wollen nicht zusammenarbeiten.

Matthias Jekosch

Eigentlich wollen beide die Probleme des Rollbergviertels in Neukölln lösen. Doch derzeit sind sowohl das Quartiersmanagement als auch der Förderverein Morus 14 wohl eher ein Teil des Problems. In dem Quartier ist nämlich ein Streit darüber entbrannt, was das Beste für die fast 5400 Einwohner ist. Hilfe ist dringend nötig – denn etwa die Hälfte von ihnen bezieht Unterstützung vom Staat, über 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund.

Gilles Duhem vom Förderverein kennt die Arbeit des Quartiersmanagements gut. Schließlich war der Verein Morus 14 bis Januar 2007 Träger des Programms. Der Verein arbeitete sehr erfolgreich, unter anderem wird die um 30 Prozent gesunkene Kriminalität im Viertel als gelungener Arbeitsnachweis gesehen. Doch er musste die Arbeit an die Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbH abgeben, weil er sich mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung überworfen hatte, die das Quartiersmanagement koordiniert. Aber Duhem und der Verein sind im Kiez geblieben und immer noch aktiv.

Duhem wirft dem neuen Quartiersmanagement vor, dass es „nur vernetzen“ wolle. Dessen Hauptanliegen ist nämlich die Hilfe zur Selbsthilfe in sozial benachteiligten Gebieten in Berlin. Bestehende Projekte sollen so stark gemacht werden, dass irgendwann das Quartiersmanagement nicht mehr nötig ist. So versammelt es zum Beispiel seit 2007 im Familienkompetenzzentrum verschiedene Projekte wie eine Erziehungsberatung oder einen sozialen Freiwilligendienst. Duhem reicht das nicht.Für ihn müssten die Angebote konkreter sein. „Das Quartiersmanagement merkt nicht, dass die Bewohner nicht die Kraft haben. Die brauchen mehr Nähe.“ Die stelle der Verein beispielsweise mit dem gemeinschaftlichen Kochen im Gemeinschaftshaus seit 2002 her. Sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit band sich hier schon die Kochschürze um.

Die Rollberger Quartiersmanagerin Kerstin Schmiedeknecht sagt: „Wenn man die Zeit, die man der Auseinandersetzung mit dem Verein widmen musste, gehabt hätte, um sich um Projekte und Kiezarbeit zu kümmern, wären wir vielleicht schon ein ganzes Stück weiter.“ Dennoch verweist sie auf Erfolge. Dazu zählt sie die Zusammenarbeit mit dem Quartiersbeirat, einem Gremium aus Anwohnern, das im Kiez mitentscheiden soll. Unter dem neuen Management gehören dem 23-köpfigen Gremium fünf Migranten an, statt wie zuvor einer.

„Das Bezirksamt bewertet die Arbeit des neu eingesetzten Quartiersmanagements als uneingeschränkt positiv“, sagte Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) kürzlich in der Bezirksverordnetenversammlung. Gleichzeitig bedauert er aber, dass es bisher keine Zusammenarbeit mit Morus 14 gibt.

Der Verein Morus 14 hat derzeit knapp 120 Mitglieder und ist im Kiez fest verwurzelt. Selbst das neue Quartiersmanagement schreibt in seinem Handlungskonzept für das Jahr 2008, dass das bisherige Team eine „sehr enge Bindung zu einigen Akteuren hergestellt hat“. Im gleichen Satz heißt es jedoch, dass sich das Team selbst „immer als wichtigsten Akteur heraushob.“ Angesichts solcher Urteile sagt Duhem: „Da steht ziemlich viel Dreck über unsere Arbeit drin.“ Unterstützung findet er bei Christopher Kroll, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im Bezirk. „Das Handlungskonzept ist unglücklich formuliert“, sagt er. „Damit disqualifiziert sich das Quartiersmanagement selbst.“

Beide Parteien scheinen sich nicht zu einer Zusammenarbeit aufraffen zu können. Morus 14 verzichtet sogar auf eine Förderung durch das Quartiersmanagement, das 2007 insgesamt 148 000 Euro zu vergeben hatte. „Der Aufwand lohnt nicht“, meint Duhem. „Es gibt Miniprojekte, da füllst du drei Aktenordner im Jahr aus.“ Deswegen ist der Verein auf der Suche nach Sponsoren. Bezirksverordnetenvorsteherin Hannelore Schlottmann (SPD) würde es lieber sehen, wenn er sich auf die Suche nach einem gemeinsamen Nenner macht: „Der Verein muss auf das Quartiersmanagement zugehen“, fordert sie. Matthias Jekosch

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