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New Yorks Ex-Bürgermeister in Berlin : Giuliani: "Eine Stadt, die Graffiti zulässt, ist nicht unter Kontrolle"

Rudolph Giuliani findet Berlin sauber und attraktiv. Er liebt den Flughafen Tegel, zum BER sagt er lieber nichts. Und was ist mit Donald Trump? Ein Interview.

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New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani.
New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani.Foto: Orlando Barria / dpa

Herr Giuliani, wir sitzen hier im 15. Stock Ihrer Wirtschaftskanzlei Greenberg Traurig mit einer fantastischen Sicht über den Potsdamer Platz, wo Berlin immer gerne ein bisschen so tut als sei es Manhattan. Müssen Sie lachen, wenn Sie solche Vergleiche hören?
Nein, ich finde sogar, dass Berlin und Manhattan sehr viel gemeinsam haben, beide sind sehr aufregende Städte, in denen immer was los ist, Tag und Nacht. Berlin hat sich sehr verändert, seit ich das erste Mal vor zwölf Jahren hier war.

Inwiefern?
Als Ex-Bürgermeister schaue ich mir Städte immer sehr genau an. Wird viel gebaut? Wie viele Menschen sind in den Straßen unterwegs? Wie viele Menschen bleiben über Nacht in der Stadt? Und ich habe den Eindruck, dass Berlin sich in all diesen Bereichen gut macht.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht?
Sicher vor allem an den jungen Menschen, die hierher ziehen. In den USA erleben wir in Nashville und Austin in Texas gerade dasselbe Phänomen, die Städte sind total angesagt. Die jungen Menschen gehen dahin, wo sie die besten Möglichkeiten für sich sehen – und da scheint Berlin einiges zu bieten zu haben.

Dann sind Sie also einverstanden, wenn sich Berlin als „New Yorks kleine Schwester“ vermarktet?
Selbstverständlich, Berlin ist eine großartige Weltstadt. Ich freu’ mich, wenn ich solche Vergleiche höre.

Können Sie auch negative Entwicklungen in Berlin feststellen?
Nein, gar nicht, Berlin ist eine sehr saubere, attraktive Stadt.

Wer genauer hinschaut, der wird allerdings schnell fündig. Gerade haben wir ein großes Problem mit Graffiti in der U-Bahn, Züge müssen deshalb aus dem Verkehr gezogen werden.
Oh, ich hasse Graffiti und bin strikt dagegen.

Graffiti geht gar nicht, findet Rudolph Giuliani. Eine Sache für die Polizei.
Graffiti geht gar nicht, findet Rudolph Giuliani. Eine Sache für die Polizei.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Warum denn das?
Graffiti ist anderen Menschen gegenüber respektlos. Die Hauswand oder der Zug gehören schließlich nicht den Leuten, die sie beschmieren, sondern der Allgemeinheit. Eine Stadt, die Graffitis zulässt, ist nicht unter Kontrolle.

Sie waren als Bürgermeister bekannt für Ihre „Null Toleranz“- Strategie, mit der Sie New York sicherer gemacht haben. Sollte Berlin es Ihnen gleichtun und ebenfalls Graffiti verbieten?
Ja, man sollte die Leute zur Verantwortung ziehen, so wie ich es getan habe. Nicht gleich ins Gefängnis stecken, aber ich habe sie drei, vier Tage mit Putztrupps mitgeschickt, um Graffiti zu entfernen. Nach sechs Monaten gab es deutlich weniger solcher Schmierereien in der Stadt.

Aber Graffiti kann doch auch Kunst sein und das Stadtbild bunter machen.
Die Leute können gerne ihre eigenen Sachen bemalen, so viel sie wollen. Sie können sie auch in einem Museum ausstellen. Aber ein Zug oder eine fremde Hauswand gehört ihnen nicht. Das muss ein Bürgermeister in den Griff bekommen.

Graffiti ist das kleinere Problem im Vergleich zum geplanten Flughafen BER, der bereits 2012 hätte eröffnen sollen. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hat gerade erst wieder gesagt, dass der neue Termin 2017 wohl nicht zu halten ist. Der BER ist auch deshalb zum Desaster geworden, weil die öffentliche Hand zu sehr mitgemischt hat. Sollten solche Projekte besser dem privaten Sektor überlassen werden?
Ich will hier gar nicht über solche Verspätungen lästern, in den USA haben wir auch schon ähnliche Sachen erlebt. Das Mahnmal zu den Terroranschlägen am 11. September wurde auch später als geplant eingeweiht, das Straßenprojekt „Big Dig“ in Boston war erst nach 25 Jahren fertig. Grundsätzlich bin ich aber ein großer Anhänger davon, Flughäfen zu privatisieren. Das hätte ich auch gerne in New York gemacht, habe aber nicht die notwendige Zustimmung bekommen.

Was aber ist Ihr Rat in Sachen BER? Sollte der Flughafen besser abgerissen und neu gebaut werden?
Da halte ich mich lieber raus. Ich kann aber sagen, dass ich ein großer Fan von Tegel bin. Bei den neuen Flughäfen muss man oft erst mal zwei Meilen laufen, bevor man draußen ist. In Tegel aber kommt man an, und schon ist man an der frischen Luft. Das ist doch großartig.

Der BER wird Berlin auch bei den anstehenden Wahlen im September beschäftigen. Aktuell regiert Michael Müller, der eher als klassischer Verwaltungschef gilt im Vergleich zu den Charismatikern, die bereits an der Spitze der Stadt standen, allen voran Willy Brandt. Gibt es einen Typus, der generell besser geeignet ist um in einer Stadt wie Berlin Bürgermeister zu sein?
Ein guter Bürgermeister ist einer, der eine Stadt gut führt. Zum Glück gibt es dafür nicht einen speziellen Stil. Manche Bürgermeister sind eher freimütig, andere vergraben sich lieber in ihren Akten – und manche sind leider eher ineffizient.

Wer zum Beispiel?
Oh, da kenne ich einige in den USA. Aber über Berlin will ich mir kein Urteil erlauben.

Und wie zufrieden sind Sie mit New Yorks aktuellem Bürgermeister, Bill de Blasio?
Nicht so besonders. Die Gewalt und auch die Mordraten steigen, es gibt mehr Obdachlose, er hat das Schulsystem nicht verbessert und demoralisiert die Polizei. Dazu streitet er sich mit dem Gouverneur von New York, was ein großer Fehler ist, denn der Gouverneur kontrolliert 25 Prozent seines Budgets. Deshalb gilt: Egal, wie weh es tut. Sei nett zu Deinem Gouverneur. Ich finde, dass Michael Bloomberg, sein Vorgänger, seine Sache besser gemacht hat.

Wie Bloomberg gehören Sie den Republikanern an, Sie unterstützen auch den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Glauben Sie, dass er die US-Wahlen gewinnen wird?
Ich kann da nur die Umfragen zitieren, in denen Hillary Clinton aktuell vorne liegt mit zwei bis vier Prozentpunkten. Das wird ein ganz knappes Rennen und ich muss sagen, dass das die außergewöhnlichste Wahl ist, die ich jemals erlebt habe.

Würden Sie sich über einen Präsidenten Trump freuen?
Er ist sicher nicht der ideale Kandidat, aber ich sage mal so: Lieber Donald Trump als Hillary Clinton.

Warum?
Trump ist besser für die Wirtschaft, unter Hillary würde die Wirtschaft dagegen mehr belastet werden durch mehr Steuern und Regulierungen, dazu war sie eine ganz schlechte Außenministerin. Überall, wo sie sich eingemischt hat, hat sich die Lage verschlechtert, siehe Russland oder Libyen. Sie und Präsident Barack Obama sind aus meiner Sicht wesentlich dafür verantwortlich, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat so stark werden konnte, denn sie haben die Truppen zu früh abgezogen.

Selbst wenn Sie mit Clintons Leistung nicht zufrieden sind, hat sie sehr viel politische Erfahrung im Gegensatz zu Trump, der eher mit populistischen Aussagen auffällt und seine Meinung zu bestimmten Themen jeden Tag aufs Neue ändert.
Seine Kampagne erinnert eher an eine Fernsehshow als an politischen Wahlkampf, hieß es neulich in einem Artikel. Das sehe ich auch so. Wie gut er als Präsident für die USA ist, werden wir sehen, wenn er gewählt wird.

Trump will Sie dann an seiner Seite haben, als Leiter einer Kommission zum Thema „Radikaler Islam“. Sind Sie dabei?
Ich glaube, er hat schon verstanden, dass man weder Muslime, noch Katholiken, Weiße oder Schwarze aus den USA verbannen kann. Was er will ist ein System, um Leute vor ihrer Einreise in die USA besser zu kontrollieren. ISIS hat schließlich klar gemacht, dass sie Aktivisten und Terroristen in die USA schleusen wollen. Trump will nun ein System, mit dem man die guten von den gefährlichen Leuten besser unterscheiden kann.

Aber würde eine solche Kommission nicht zu mehr Konflikten führen als zu mehr Integration?
Diese Gefahr besteht, deshalb denke ich auch, dass man eine solche Kommission nicht wirklich braucht. Ein effizient umgesetztes Programm wäre da sinnvoller. Dafür stehe ich gerne als Berater bereit.

Und wie wäre es mit einer anderen Position im Kabinett?
Nein, daran habe ich kein Interesse. Ich habe viel Zeit in der Regierung verbracht. Ich war Bürgermeister von New York. Ich habe alles gemacht, was ich wollte.

Zum Schluss müssen Sie mir noch verraten, was Sie da für ein grünes Armband tragen.
Das erinnert mich an einen Feuerwehrmann, der mir sehr nahe stand und bei den Terroranschlägen am 11. September ums Leben gekommen ist. Es war wie im Krieg, der 11. September ist eine Erinnerung, der ich niemals entkommen werde, deshalb habe ich mich entschlossen, sie stattdessen zu umarmen und sie auch äußerlich immer bei mir zu haben. Ich trage das Armband jeden Tag, der Spruch darauf ist für jeden sichtbar: „Never forget“.

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