Berlin : Nicht auf die Feuerwehr gehört

BVG und S-Bahn lehnen Sprinkleranlagen in Zügen ab. Keine Einigung auch bei Atemschutzgeräten

Klaus Kurpjuweit

Die Empfehlungen der Feuerwehr zur Brandsicherheit werden von der BVG und der S-Bahn nur zum Teil umgesetzt, obwohl vor einer Woche nur mit viel Glück eine Feuerkatastrophe verhindert werden konnte. Am 10. August war ein Wagen der S-Bahn im Anhalter Bahnhof ausgebrannt. Die schwer beschädigte Station bleibt weiter geschlossen. Die Fahrgäste konnten in Sicherheit gebracht werden.

BVG und S-Bahn wollen trotzdem den Wunsch der Feuerwehr nicht erfüllen, automatische Löschanlagen in den Zügen und unterirdischen Abstellanlagen einzubauen. Und auch über den Kauf von Langzeitatemschutzgeräten habe man sich bisher mit der Bahn nicht einigen können, sagte der Leitende Branddirektor Hartmut Hopp. Vorgesehen sind sie nach den Vorschriften für den neuen Nord-SüdTunnel mit dem unterirdischen Teil des Hauptbahnhofs. Diese Geräte, mit denen die Feuerwehrleute etwa eine Stunde im Tunnel arbeiten können, muss die Bahn finanzieren.

Sprinkleranlagen in Zügen gibt es bisher in Deutschland nur in Fahrzeugen der Hamburger U-Bahn. Zum Einbau habe man sich nach einem Brand im S-Bahnhof Altona im Jahr 1980 entschlossen, als dort mehrere Fahrzeuge nach einer Brandstiftung ausgebrannt waren, sagte Andreas Ernst von der Hochbahn. Die S-Bahn in Berlin will, so ihr Sprecher Ingo Priegnitz mit Konsequenzen warten, bis fest steht, warum ihr Zug brannte. Die BVG argumentiert dagegen, die meisten Brände entstünden außerhalb des Fahrgastraumes. Außerdem reagiere die Sprinkleranlage nur bei sehr hohen Temperaturen.

Dem widerspricht Ernst. Auf jeden Fall könne man mit einer Sprinkleranlage wertvolle Minuten gewinnen. Sie wird bereits bei 78 Grad aktiviert. Ausgelöst worden sei sie noch nicht. Nur einmal habe es ein Betrunkener versucht. „Und der sah dann fürchterlich aus“, so Ernst.

Fest geplant ist nach Hopps Angaben, die Röhren der S- und U-Bahn mit einem einheitlichen Tunnelfunk auszurüsten. Zudem werden an Ausgängen mit nur einer Verteilerhalle so genannte Rauchschürzen installiert, die verhindern, dass der Qualm sofort Fluchtwege versperrt.

Auch der Bau zweiter Ausgänge in den Bahnhöfen verbessere die Sicherheit erheblich, so Hopp. Bei der BVG sollen 2006 alle elf betroffenen Stationen umgebaut sein. Die S-Bahn will im Anhalter Bahnhof den alten Mittelausgang, der vor der Fanny-Hensel-Grundschule an die Oberfläche kommt, im März öffnen. Bis dahin soll die S-Bahn-Station Oranienburger Straße einen weiteren Ausgang erhalten. Am U-Bahnhof Wittenbergplatz installiert die BVG jetzt Rauchklappen im Dach.

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