Berlin : Nicht auf Linie mit der Kanzlerin

Der Senat will die U 5 nicht bis zum Brandenburger Tor verlängern – aber die Bundesmittel behalten

Klaus Kurpjuweit

Der künftige rot-rote Senat will vom Weiterbau der U-Bahn nichts mehr wissen. Auf die Linie U 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor sollte verzichtet werden, sind sich SPD und PDS einig. Für den Bau fehle das Geld. Sparen lässt sich aber nur, wenn es dem Berliner Senat gelingt, den Bauverzicht auch dem Bund schmackhaft zu machen. Dieser kann nämlich mehr als 170 Millionen Euro zurückfordern, die er für das Projekt schon in den Untergrund gepumpt hat. Berlin selbst müsste beim Bau der Strecke „nur“ rund 100 Millionen Euro aus der Landeskasse aufbringen, verteilt auf mehrere Jahre.

Die U 5 sollte eine Verbindung von Hönow über den Alexanderplatz zum neuen Hauptbahnhof herstellen und auch den Bereich Unter den Linden direkt ans U-Bahn-Netz anschließen. Der Bau war von Anfang an umstritten, weil es als Ost-West-Verbindung bereits die S-Bahn und die U-Bahn-Linie U 2 gibt. Zudem wehrten sich Geschäftsleute rings um die Friedrichstraße gegen den Bau, weil sie finanzielle Einbußen bei einer Großbaustelle befürchteten. Die Kosten waren zu Beginn der 90er Jahre mit etwa 660 Millionen Euro veranschlagt worden. 1995/96 wurde mit den Arbeiten im Bereich des Hauptbahnhofs begonnen, weil alle Anlagen dort gleichzeitig gebaut werden sollten, um Kosten sparen zu können.

Als die Röhren fast die Fundamente des Reichstages erreicht hatten, wollte der damalige CDU/SPD-Senat die Arbeiten wegen Geldmangels einstellen. Der Bund drang jedoch darauf, wenigstens bis zum Brandenburger Tor weiterzubohren, um später keine Baugrube mehr vor dem Reichstagsgebäude öffnen zu müssen. Die Kosten schoss der Bund vor, der für den Bau der U 5 im Hauptstadtvertrag extra 151 Millionen Euro zugesichert hatte. 147 Millionen Euro sind dann verbaut worden.

Um keine Investitionsruine im Untergrund entstehen zu lassen, stellte der Bund schließlich den Berliner Senat vor die Wahl: Entweder baldige Rückzahlung der Bundesmittel oder Aufnahme eines provisorischen Betriebs mit der Zusage, die Strecke bis zum Alexanderplatz weiterzubauen.

Es fehlt noch einiges auf der Strecke: Der erforderliche Bau des Bahnhofs Brandenburger Tor ist mit 28 Millionen Euro veranschlagt, wovon der Bund wiederum 24 Millionen Euro übernommen hat. Der Senat versprach, spätestens 2010 mit dem Weiterbau zu beginnen und die Arbeiten bis 2020 abzuschließen.

Die BVG rechnet mit einer Bauzeit von sechs Jahren. Sie könnte also erst 2014 beginnen, um vereinbarungsgemäß fertig zu werden. So lange will die BVG aber nicht warten, denn ein vom übrigen Netz getrennter Betrieb auf dem U 55 genannten und 1,45 Kilometer langen Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor mit der Station Bundestag in der Mitte wäre auf Dauer extrem unwirtschaftlich. Für einen schnellen Weiterbau hatte sich deshalb auch ausgerechnet der sonst so sparsame Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) eingesetzt, der Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist.

Finanziert würde der größte Teil der Kosten auch weiter vom Bund. SPD und PDS wollen dieses Geld aber woanders ausgeben – zur Sanierung der maroden Altanlagen der U-Bahn oder auch zum Bau von neuen Straßenbahnstrecken.

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