Berlin : Nicht seine Liga

Bernd Matthies

über den Regierenden und seine prekäre Lust am Fußball Das müssen wir unserem Regierenden lassen: Er brüskiert mit großer Souveränität. Da mögen Kanzler und Bundespräsident noch so staatstragend zusammensitzen, um mit gereiften Dichtern, Denkern und Pfeifenrauchern die Akademie der Künste zu eröffnen – Wowereit gibt ihnen kühl einen Korb und geht ins Stadion zu Hertha BSC.

Das hat was. Neben Wowereits Verärgerung über die Einladungsliste des Festakts ist denkbar, dass folgender gradliniger Gedankengang dahintersteckt: Die Reden zur Eröffnung sind vorhersehbar, ihre Spannung gleich null. Das Fußballspiel wird spannend, und am Ende könnte Hertha als Teilnehmer der Champions League jubeln. Wowereit, wir wissen das, jubelt gern mit, zumal, wenn ihm niemand vorhalten kann, er spiele wieder mal in der Champagnerliga.

Doch so geht das natürlich nicht. Wieder geht Wowereit in einem für seinen Job typischen Zielkonflikt den Weg, der ihn zum politischen wie intellektuellen Leichtgewicht macht. Es ist nicht verboten, Institutionen wie die Akademie der Künste überholt oder gar verstaubt zu finden. Doch gerade dann stünde es einem Regierenden Bürgermeister gut an, dies offensiv zu artikulieren, gern auch kontrovers und mit neuen Ideen. Wenn er zum Fußball geht, zeigt er nur, dass die Akademie einfach nicht seine Liga ist.

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