Berlin : Nix Teuro

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über die Wertschöpfung nach Prenzelberger Art

Der Wert des Berliners? Gerade mal ’nen Sechser. Zwar soll die gestern von der Initiative „Berliner Regional“ vorgestellte, ab 1. September gültige Parallelwährung, griffig „Berliner“ genannt, gegen den Euro im Kurs von 1 zu 1 umgetauscht werden. Aber wer später seine Euros wiederhaben will, hat eine Gebühr von fünf Prozent zu entrichten, die in soziale Projekte fließen. Interessante Geschäftsidee, Sarrazin sollte das mal durchkalkulieren und auf Gesamtberliner Verhältnisse hochrechnen lassen. Bislang nämlich soll der „Berliner“ nur in Prenzlauer Berg gelten, sogar beschränkt auf die teilnehmenden Geschäfte, die sich von der KunstWährung verstärkte Kundenbindung erhoffen dürfen. Mit Regionalwährungen hat man in diesem Stadtteil einige Erfahrungen, machte doch dort vor zehn Jahren das „Knochengeld“ die Runde. Dennoch stellen sich Fragen, die aus Prenzelberger Perspektive vielleicht leicht lösbar erscheinen, aus überregionaler Sicht aber irritieren. Wie wehrt man sich gegen Blüten? Datumsstempel und eine Kerbe – die gestern genannten Sicherheitsmerkmale sind mit den Wasserzeichen und Hologrammen der Bundesbank kaum konkurrenzfähig, stelle eher eine Herausforderung für jeden dar, der ein Kopiergerät zu bedienen weiß. Auch ist die Unkenntnis hiesiger Spracheigenheiten bei den in Prenzlauer Berg besonders zahlreichen Fremden in Rechnung zu stellen. Man stelle sich deren Erstaunen vor, wenn sie beim Bäcker zehn Berliner verlangen und bekommen nur buntes Papier.

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