Nord-Süd-Tunnel gesperrt : Wenn die S-Bahn Bus fährt

Im Großen und Ganzen hat es geklappt, sagt die Bahn. Dennoch gab es am ersten Tag der Tunnelsperrung in Berlin noch zahlreiche Pannen. Wir haben uns mal in der Stadt umgeschaut.

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In Berlin ist seit Freitagabend der Nord-Süd-Tunnel gesperrt.
In Berlin ist seit Freitagabend der Nord-Süd-Tunnel gesperrt.Foto: dpa

Als der Bus kommt, drängeln sich die Massen hinein; vergeblich ruft ein Bahn-Mitarbeiter: „Dies ist der falsche Bus!“ Die meisten bleiben drin, der Bus fährt ab. Richtung Ahrensfelde – am östlichen Stadtrand. Ziel der meisten Fahrgäste aber war der Anhalter Bahnhof. Mit diesem Bus haben sie ihn nicht erreicht. Erste Erfahrungen mit dem Ersatzverkehr für den seit Freitagnacht gesperrten Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn zwischen Anhalter und Nordbahnhof. Im Großen und Ganzen hat es am Premierentag geklappt – aber bei Kleinigkeiten hakt es manchmal gewaltig.

 

BUS VERWECHSELT
An der Abfahrtshaltestelle am Nordbahnhof stoppen auch die Busse der BVG, die als Ersatz für die Straßenbahnlinie M 8 fahren. Als dieser Bus hält, kommt es zur Verwechslung: Beschildert ist auch er als Schienenersatzverkehr, allerdings nach Ahrensfelde.

Dann stoppt der nächste. Die Anzeige zeigt nichts, aber im Vorderfenster prangt ein Schild: SEV zum Anhalter Bahnhof. Alle fünf Minuten sollen die Busse fahren, doch der nächste folgt fast gleichzeitig. Aber alles, was noch an der Haltestelle steht, schiebt sich in das erste Fahrzeug – auch eine Frau mit Fahrrad und eine weitere mit einem Doppelkinderwagen für Zwillinge. Freundlich unterstützt von einem Helfer im Auftrag der Bahn. Der hintere Bus fährt noch an der Haltestelle leer am proppenvollen Vordermann vorbei.

 AUF BETRIEBSFAHRT
Manchmal zeigen die Anzeigen das richtige Ziel, hin und wieder sind die Busse auch angeblich auf einer Betriebsfahrt, und gelegentlich beschränkt sich die Information auf das kleine Schild hinter dem Vorderfenster. Aber in jedem getesteten Bus sagten die Fahrerinnen und Fahrer die jeweilige Haltestelle an. Die Mitfahrt ist übrigens gratis, denn in den gemieteten Bussen können keine Fahrscheine verkauft werden. Nach dem Umsteigen ist aber ein Ticket fällig. Und immerhin: Einer der Testbusse schaffte die Strecke vom Anhalter Bahnhof zum Nordbahnhof exakt in den vorgesehenen 15 Minuten. Die echte Bewährungsprobe folgt aber am Montag im Berufsverkehr.

 

TAPSE BIS ZUM AUSGANG
Der Zugang aus der Haupthalle zum unteren Bahnsteig der Nord-Süd-Bahn ist abgesperrt. Ein Schild an der Seitenwand erklärt, warum. Fragen beantworten zwei dort postierte Mitarbeiter der Bahn. Auf den Boden geklebte rote „Fußtapse“ weisen den Weg zur Bushaltestelle. Zumindest bis zur Ausgangstür. Auf dem großen Platz kann der Ortsunkundige nun raten, wohin es  gehen könnte. Hier gibt es keinen Hinweis – außer einem winzigen, an einem Pfosten provisorisch befestigten Zettel, der die Richtung weist.

OHNE HINWEIS
Der Bahnhof ist verschlossen, an diesem Wochenende fahren auch die U-Bahnen der Linie 55 wegen Bauarbeiten nicht. Während die S-Bahn versucht, auch hier auf Schildern den Weg zu den Bussen zu erklären, die zu finden dann nicht einfach ist, gibt es bei der BVG fast keine Hinweise zur eingestellten U-Bahn. Touristen sind meist ratlos. Helfer sind dort nicht zu sehen.

IM FALSCHEN ZUG
Hinweisschilder stehen an den zahlreichen Eingängen. Vor den Treppen zu den beiden Bahnsteigen in der Verteilerhalle fehlen sie allerdings. Dabei enden und beginnen hier nicht nur die Züge aus und nach Süden, sie fahren zum Teil auch vom anderen Bahnsteig ab. Die Potsdam-Züge starten auf dem Bahnsteig, auf dem es sonst Richtung Friedrichstraße geht. Wer nicht auf die Anzeige achtet und von der Sperrung nichts mitbekommen hat, steigt ahnungslos in den Zug und wundert sich, wohin der fährt.

Sprecher der Bahn und der BVG erklärten, der erste Tag sei problemlos gelaufen. Und ohnehin: Am 9. Dezember ist alles vorbei – bis zum nächsten Jahr.

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