Berlin : NS - Zwangsarbeiter: Auszüge aus dem Abschlussbericht von 1945

Der Finananzbeauftragte der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde, Dr. v. Bahrfeldt, schrieb im August 1945 einen Abschlussbericht über das Ostarbeiter-Lager. "Es wird darin nur die wirtschaftliche Seite des Lagers bewertet, nicht die menschliche", sagt Pfarrer Peter Storck von der Jacobi-Gemeinde. "Das bedrückt uns." Wir dokumentieren Auszüge



"Der Bestand an Ostarbeitern betrug im Monatsdurchschnitt des Jahres 1944 99 Mann, im Jahre 1945 (bis April) 97 Mann. Mit dem Herannahen der Krise 1945 wuchs vielfach die Arbeitsunlust, auch war der Krankenstand grösser als zuvor."

"Mit Arbeitskräften beliefert wurden 26 evangelische und 2 katholische, zusammen 28 Friedhofsgemeinden sowie 1 städtischer Friedhof in Berlin-Neukölln."

"Beschwerden einzelner Friedhofsgemeinden lagen kaum vor; ihre Wünsche betrafen meist die Bitte um Gestellung weiterer Arbeitskräfte, ihre Klagen betrafen meist die Ernährung der Ostarbeiter und ihre sich vielfach mindernde Arbeitsleistung."

"Während der Kampftage Ende April 1945 wurde das Lager fast völlig zerstört. Es brannte zum grössten Teil herunter, das Inventar wurde im wesentlichen geplündert und gestohlen, so dass nur ganz geringe Reste gerettet werden konnten."

"Überblickt man die Zeit des Bestehens des Ausländerlagers, so wird man sagen müssen, dass es trotz der vielfachen und wachsenden Schwierigkeiten doch seinen Zweck erfüllt hat und dass es den beteiligten Friedhofsgemeinden in schwierigen Zeiten die Durchführung und Aufrechterhaltung der Bestattungen überhaupt ermöglicht hat."

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