Berlin : Nun befasst sich der Senat mit dem umstrittenen Silvester-Spektakel

Christoph Stollowsky

Das Gerangel um die Lichtshow "Art in Heaven" am Großen Stern geht weiter: Die PDS wollte das Abgeordnetenhaus bei dessen Zusammenkunft am Donnerstagabend zu einer Verurteilung des monumentalen Silvester-Spektakels bewegen, doch ihr Dringlichkeitsantrag scheiterte am Veto von CDU und SPD. Die Koalition forderte mit ihrer Mehrheit stattdessen die Landesregierung auf, den umstrittenen Beitrag zur Millenniumsfeier zu überprüfen. Öffentlich geäußerte Bedenken müssten berücksichtigt werden. Eine Sprecherin des neue Bausenators Peter Strieder (SPD) erklärte gestern auf Anfrage, ihr Chef wolle sich in der kommenden Woche mit den Veranstaltern von "Art in Heaven" an einen Tisch setzen und sich deren Konzept "genau anschauen."

Wie berichtet will die "Art in Heaven GmbH" des Regisseurs Gert Hof in der Millenniums-Nacht mit 250 Großscheinwerfern und Feuerwerk im Himmel über dem Großen Stern "die größte Lichtshow aller Zeiten" inszenieren. Rockstar Mike Oldfield werde dazu musizieren, heißt es, aber pünktlich um Mitternacht will Hof alles Licht ausschalten: Dann sollen die erhofften 250 000 Besucher mit Taschenlampen die Siegessäule anstrahlen.

Aus Sicht von Kritikern weckt die "Lichtkathedrale", wie Hof sein Himmelskunstwerk bezeichnet, jedoch ungute Assoziationen zum einstigen "Lichtdom" des Hitler-Architekten Albert Speer und zu anderen monumentalen Lichtspektakeln der Nazis. Hohe Vertreter der Bezirke Tiergarten und Mitte hatten deshalb an die Veranstalter appelliert, auf ihr Vorhaben "in der Tradition Albert Speers" zu verzichten.

Bausenator Strieder ließ allerdings gestern über seine Sprecherin erklären, man müsse überlegen, "ob wir Lichtskulpturen grundsätzlich verdammen wollen, nur, weil sie die Nazis gemacht haben." Vor einer endgültigen Entscheidung will sich der Senator nun das Konzept ansehen.

Dies hat auch Tiergartens Baustadtrat Horst Porath vor. Er trifft sich am kommenden Mittwoch mit der "Art in Heaven-GmbH". In erster Linie ist der Bezirk für die Genehmigung des Spektakels zuständig. Sieht der Senat jedoch überörtliche Interesse des Landes berührt, so kann er das Verfahren an sich ziehen. In diesem Falle würde Strieder das letzte Wort sprechen.

Regisseur Hof wies gestern Vergleiche mit der Lichtarchitektur der Nazis entschieden zurück. Aus seiner Sicht beruht der Streit um die Show auf einem Mißverständnis. Auf den Computersimulationen des Spektakels seien nur starre Scheinwerferbündel zu sehen, wie sie auch Speer einsetzte. Tatsächlich werde man die Scheinwerfer rund um die Siegessäule aber ununterbrochen bewegen.

Hof: "Sie leuchten in unterschiedlichen Farben, dazu kommt Feuerwerk, Konfetti und die Musik". Abschließend sagte der Regisseur, seine Show sei als "völkerverbindende Aktion" geplant und habe nichts mit den Nazis zu tun. Sie solle im kommenden Jahr in Athen zur Entzündung des Olympischen Feuers mit Popstar Peter Gabriel und dem Mikis Theodorakis wiederholt werden.

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