Berlin : Nur spielen

Bernd Matthies

betrachtet Klaus Wowereits neue Lebensfreude-Fotos Im Grunde ist Klaus Wowereit harmlos: Er will nur spielen. Dieser an sich sympathische Drang trieb ihn dazu, öffentlich aus High Heels Champagner zu schlürfen und in der TV-Sendung „Zimmer frei“ mit Götz Alsmann einen Ringkampf hinzulegen. Es ist nach solchen Szenen sinnlos, darüber zu sinnieren, ob er das nun mit klarem PR-Kalkül tut oder einfach, weil ihn die Lust überkommt; vermutlich ist es eine spezifisch wowereitsche Mischung aus beidem.

Der bislang letzte Vorfall in dieser Richtung ereignete sich auf der Aids- Gala am Sonnabend: eine Knutscherei mit Désirée Nick, der Kreischzange aus dem Dschungelcamp. Nun wollen wir hier keine Geschmacksdiktatur errichten – es kann in unserer Demokratie ja jeder knutschen, wen er will. Allerdings legen die tiefenscharfen Bilder doch sehr nahe, dass das gegenseitige Abschlecken zwar eventuell als blinde, lustgesteuerte Gefühlswallung begann, dann aber als Inszenierung für die Fotografen gern fortgesetzt wurde. Also ist die Folgerung erlaubt, dass Wowereit die Bilder und ihre Wirkung zumindest einkalkuliert haben muss. Mit welchem Ziel?

Ein Unternehmer wird mit den Worten zitiert, das mache ihn „als Politiker menschlicher“. Ach? Da wäre was dran, wenn sich der Regiermeister als steifer Aktenverwalter in die diepgeneske Richtung profiliert hätte. Das hat er aber nicht; man könnte glatt sagen, dass Berlin nichts weniger braucht als einen noch menschlicheren Wowereit. Etwas weniger grell zelebrierte Lebensfreude – das wäre immer noch mehr als genug.

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