Berlin : O du billige, Rabatte bringende Weihnachtszeit

Berlins Geschäfte erwarten heute den umsatzstärksten Tag des Jahres – aber dieses Ziel können sie nur über den Preis erreichen

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Schlussverkauf im Weihnachtsgeschäft? Kaufhäuser, Elektronikmärkte und Modeketten werben wild mit hohen Rabatten. Vor diesem dritten AdventsSamstag, der als umsatzstärkster Tag des Jahres gilt, gibt es so viele Sonderaktionen, dass Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband Böses schwant: Für den Gesamtumsatz sei der Preiskrieg „gefährlicher als jede Grippewelle“.

Die Aktionen gehen auf die Kaufzurückhaltung der Berliner zurück. Bundesweit rangiert die Stadt bei der Kaufkraft auf Platz 49; die Gehälter liegen im Durchschnitt sogar schon unter dem Niveau von 1991. Für die Schuhkette Görtz „ist es bisher der schlechteste November und Dezember seit 30 Jahren“, so Sprecher Stefan Jacobs. Ursprünglich wollte Görtz nur einzelne Artikel herabsetzen und Kundenkartenbesitzer bevorzugen. Inzwischen gibt es auf „30 Prozent der aktuellen Ware“ Rabatte.

Kaufhof wirbt mit Weihnachtsrabatten bis 20 Prozent, Karstadt halbiert sonnabends die Preise für ein bestimmtes Sortiment. „Heute sind alle Strickwaren und Stiefel dran“, so ein Karstadt-Sprecher. Das KaDeWe bietet für Besitzer der Kundenkarte bis zu 20-prozentige Rabatte auf Textilien. „Der Umsatz liegt über dem Vorjahresniveau“, sagte Sprecherin Dagmar Flade. Zum Erfolg trage die Verlängerung der sonnabendlichen Öffnungszeiten auf 20 Uhr bei.

Die Modehäuser H & M und C & A setzen normalerweise auf dauerhaft niedrige Preise statt auf Rabatte. Doch seit Donnerstag bietet H&M 50 Prozent Nachlass „auf unzählig viele Artikel in allen Abteilungen“. Am Freitag halbierte C & A die Preise für den Großteil der aktuellen Winterware – „weil die Kunden so preissensibel wie nie zuvor sind“.

Dass Niedrigpreise etwas bringen, zeigt die Elektronikkette Makromarkt (ehemals Promarkt). Mit dem Slogan „Es lebe billig“ konkurriert die Berliner Firma der Wegert-Brüder erfolgreich mit Media Markt und Saturn. Im Weihnachtsgeschäft „liegt der Umsatz über dem Vorjahr“, hieß es.

Kleine Läden „können sich an Rabattschlachten nicht beteiligen“, sagt Ursula Kiesling von der Interessengemeinschaft Reichsstraße in Charlottenburg. Ihr Motto lautet „Qualität statt Bonus“. Das Bezirksamt unterstützt 140 City-Läden in einem Projekt. Kleine Geschenke und einheitliche Dekorationen sollen die Kundenbindung stärken. Eine weitere Aktion bringt zwei Weihnachtsengel auf die Wilmersdorfer Straße; sie geben Auskünfte und helfen beim Tragen. msh / CD

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