Berlin : Oasen in der Metropole

Gartenkunst und Denkmalpflege – eine Bilanz

Michael Zajonz

Gärten sind mehr als pflegeleichtes Abstandsgrün rund um ein Haus, besonders in Südengland kann man das erleben. Die bürgerliche britische Gartenkultur in ihrer harmonischen Verbindung von Präzision und Zufall wirkte bis ins 20. Jahrhundert als Vorbild. In Deutschland war es ausgerechnet die Industriemetropole Berlin, in der man dem englischen Gartentraum am nächsten kam. Nur hier gab es in ausreichender Zahl jenes kunstsinnige, urbane und zugleich bodenständige Bürgertum, das sich mit den neuen „Landhäusern“ im Grunewald, in Dahlem oder Wannsee auch prachtvolle Gärten anlegen ließ. 20 000 Quadratmeter und mehr konnten solche Grundstücke messen. Nach 1945 entsprachen die oft relativ gut durch den Krieg gekommenen Anwesen mit ihren pflegeintensiven Treibhäusern, Rosenrabatten und Terrassengärten nicht mehr dem Zeitgeist. Viele Häuser wurden abgerissen oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut, die Gärten geteilt und renditeträchtig neu bebaut. Und doch bietet Berlin in seinen westlichen Vororten noch immer beeindruckende Reste großbürgerlicher Gartenbaukultur. Das Berliner Landesdenkmalamt hat nun ein wunderbares Buch über die erhaltenen Berliner Privatgärten vorgelegt, das zugleich die über Deutschland hinaus beachtete Restaurierungsleistung seiner 1978 gegründeten Abteilung Gartendenkmalpflege dokumentiert.

Historische Villengärten gehören inzwischen wieder zu den allseits geschätzten Kulturdenkmälern. Bei den jährlich stattfindenden Tagen des offenen Denkmals stehen die Privatgärten im Zentrum des Publikumsinteresses. Ein Gedenkort wie der seit einigen Jahren rekonstruierte Garten Max Liebermanns am Großen Wannsee wurde schon vor seiner Fertigstellung zum beliebten Ausflugsziel.

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„Eine neue, gartenbegeisterte Besitzergeneration“ habe die denkmalgeschützten Villen- und Landhausgärten „beherzt und engagiert“ in Besitz genommen, schreibt Klaus von Krosigk, Gründer und Ideengeber der Berliner Gartendenkmalpflege, im einleitenden Essay des Buches. Öffentliche und private Nachfolger großer Namen wie Siemens, Borsig oder eben Liebermann gehen mit dem ererbten Garten-Reichtum heute meist diskreter um. Doch sie bekennen sich wieder zu ihm.

— Katrin Lesser, Klaus-Henning von Krosigk u.a.: Gartendenkmale in Berlin. Privatgärten. Michael Imhof Verlag, Petersberg. 336 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 34,90 Euro.

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