Berlin : Obdachlose verlieren Zuflucht Wärmestube im Wedding wird geräumt

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Nachdem ihre Wohnung zwangsgeräumt wurde, verstarb Rentnerin Rosemarie F. im April in der Obdachlosen-Einrichtung „Wärme mit Herz“ - an diesem Donnerstag soll die Wärmestube in der Sprengelstraße in Wedding nun selbst geräumt werden. Grund sind Streitigkeiten mit dem Wohnungseigentümer nach Beschwerden von Anwohnern.

Die ehrenamtliche Initiative hat in den vergangenen drei Jahren nach eigenen Angaben etwa 100 obdachlosen Personen Unterkunft geboten. Der Betreiber der Wärmestube, Zoltan Dominic Grasshoff, kündigte an, im Falle einer Zwangsräumung notfalls „Obdachlosen-Camps auf der Straße“ zu errichten. Man könne die vier Obdachlosen, die derzeit in der 110 Quadratmeter großen Wohnung wohnten, nicht im Stich lassen. Auch in linken Foren wurde zu Protesten aufgerufen.

Die Gesobau will von dem Vorhaben nicht abrücken. Viele Mieter hätten sich über die Zustände im Haus beklagt, sagt Sprecherin Kirsten Huthmann. Oft sei keiner der Ehrenamtlichen anwesend gewesen, um die Obdachlosen in die Wohnung zu lassen; daraufhin sei im Treppenhaus „gecampt“ worden.

Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), äußerte sich kritisch der Initiative gegenüber. Er werde sie nicht unterstützen, da er “erhebliche Zweifel an der Seriosität des Hauptakteurs“ der Initiative hege. Grashoff habe ihn im Internet diffamiert. Der wiederum forderte die Politik auf, einen alternativen Raum für die Weiterführung des Projekts zur Verfügung zu stellen: „Es stehen doch hunderte Gebäude in der Stadt leer.“ Von der Gesobau hieß es, die Räumung werde auf jeden Fall stattfinden. „Das Verhältnis ist komplett zerrüttet“, sagte Huthmann. Luisa Hommerich

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