Obdachlosenhilfe : Hilfe für die Hoffnungslosen

Die Stadtmission startet eine „mobile Einzelfallhilfe“ für Obdachlose. So sollen besonders Bedürftige an die bestehenden Angebote herangeführt werden.

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Ganz unten: Die Stadtmission will besonders Bedürftigen helfen.
Ganz unten: Die Stadtmission will besonders Bedürftigen helfen.Foto: dpa

„Sie war völlig betrunken, aus ihrer Seite ragte ein Urinkatheter und für ihr Alter wirkte sie völlig verbraucht.“ Selbst Dieter Puhl, der Leiter der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo musste schlucken, als ihm Jenny, eine etwa 45-jährige Frau, in der Jebensstraße entgegenwankte. Wie sollte er einem Menschen, der sich offenbar schon lange selbst aufgegeben hatte, helfen? „Mir war klar, dass die Angebote, die es bisher gibt, für diese Frau nicht infrage kommen“, sagt Puhl. Eine Frau wie Jenny, der es „unter zwei Promille schlecht geht“ und die seit über zehn Jahren auf der Straße lebt, würde es einfach nicht schaffen, den Weg in eine bestehende Einrichtung für Wohnungslose zu finden.

Andere Helfer hätten an dieser Stelle vielleicht aufgegeben. Doch für Menschen wie Jenny startete die Berliner Stadtmission am Montag die „mobile Einzelfallhilfe“. Während im letzten Jahr der Kältebus im Sommer weiterfuhr, um besonders Hilfsbedürftige zu erreichen, soll nun ein Team von Sozialarbeitern die Wohnungslosen in der Stadt aufsuchen, Vertrauen aufbauen und die Menschen in kleinen Schritten an die bestehenden Hilfsangebote heranführen. „Es gibt in Berlin Menschen, die schaffen es nicht mehr, die Anlaufstellen des sozialen Netzes aufzusuchen“, sagt Stadtmissionsdirektor Pfarrer Hans-Georg Filker. „Aber auch hier müssen wir darauf achten, dass Menschen nicht verlorengehen.“ Die Sozialarbeiter der mobilen Einzelfallhilfe hätten deswegen ein Zeitbudget, das großzügiger sei, als sonst in der Wohnungslosenhilfe üblich. Sie sollten gezielt auf die Menschen zugehen können.

Rund 30 besonders bedürftige Wohnungslose sollen mit dem neuen Projekt erreicht werden, das überwiegend aus Spenden finanziert werde. Der Rotary-Club Berlin International habe eine Patenschaft übernommen. „Und manchmal haben wir auch einen Dispositionskredit beim lieben Gott“, sagt Puhl. Doch die Helfer wissen auch, dass bei dieser Form der Sozialarbeit mit schnellen Erfolgen nicht zu rechnen ist: Es werde „nicht einfach so“ machbar sein, die Betroffenen in bestehende Hilfsangebote zu integrieren, sagt Filker. „Es wäre schon ein Erfolg, wenn die mobilen Einzelfallhelfer ein Stück Vertrauen aufbauen und mit den Menschen gemeinsam kleine Schritte machen können.“

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