Berlin : Obdachlosenprojekte: Die Tagesspiegel-Leser spendeten

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Schwarzer Kapuzenpulli, zottelige Haare, Hund: "Bibis" Ausstattung ist immer noch straßentauglich. Doch ihr Leben hat sich verändert. Vor drei Tagen hat sie den Vertrag für die erste eigene Wohnung unterschrieben. Das ferne Ziel heißt Fach-Abi. "Einen Abschluss habe ich nämlich nicht", sagt die 19-Jährige (auf dem Foto rechts mit Sozialarbeiterin Michaela Glas und Hund Karimba). Zwei Jahre lang war Bibi auf Trebe, lebte am Bahnhof Zoo. Als sie Ende vergangenen Jahres wieder "kurz davor" war, auf der Straße zu landen, schickte sie das Bezirksamt zu "Pro Max". Der Verein bot Unterkunft und half, den Alltag in den Griff zu kriegen.

Neun Monate lang hauste sie auf 12,5 Quadratmetern im Gebäude des Vereins in Wedding. Beim Hoffest am Mittwochnachmittag konnte sie Abschied nehmen von ihrem alten Domizil und mit den Mitarbeitern und Jugendlichen unter Bäumen zusammensitzen. Mit dem Fest eröffnete "Pro Max" seine umgebauten Räume: Der Hof wurde neu gestaltet, im Erdgeschoss richtete der Verein ein Café mit Küche und Waschmöglichkeiten ein. Zwei Wohnungen im Hinterhaus des Altbaus wurden renoviert und als Übergangsunterkünfte für Jugendliche in Notsituationen ausgebaut, Gruppenräume und Besprechungszimmer wurden saniert.

Bezahlt hat Pro Max die Instandsetzung der teilweise runtergekommenen Räume mit Spenden von Tagesspiegel-Lesern. Der Verein erhielt als eine von zwölf Initiativen Geld aus der Weihnachtsaktion 1999. Insgesamt 650 000 Mark hatten die Leser zugunsten von Obdachlosen gespendet, jede Einrichtung erhielt knapp 54 000 Mark. "Wir möchten uns sehr herzlich bei den Lesern des Tagesspiegels bedanken", sagt Norbert Schwarz, Geschäftsführer von "Pro Max". "Das Geld gab uns einen heftigen Schub in die richtige Richtung."

Im Café sollen sich Jugendliche wie Mitarbeiter gleichermaßen aufhalten, Schwarz hofft auf eine entspannte Kontaktaufnahme. Die Küche soll zum Arbeitsplatz für einige der 14- bis 18-Jährigen werden, mit denen Schwarz einen Brötchen-Lieferservice aufbauen möchte. In den beiden Übergangswohnungen können junge Leute kurzfristig einziehen und zwei Monate leben, bis sie eine andere Unterkunft gefunden haben. So will "Pro Max" verhindern, dass sie auf der Straße leben müssen.

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