Berlin : Obst und Gemüse: Die Kältekur hält Früchtchen prall

Karolin Steinke

Wassermelonen sind der Renner. 1,5 Tonnen verkauft der Obst- und Gemüseladen "Birlik Market" in der Potsdamer Straße in Tiergarten zur Zeit jeden Tag. Auf voller Ladenbreite leuchten vor dem Geschäft Früchte und Gemüse in allen Farben mit roten Markisen um die Wette. Und, Überraschung: Bei 30 Grad Außentemperatur liegen die Himbeeren und Salate da wie eben gepflückt. Wie machen die Gemüsehändler das bloß? Der Birlik-Geschäftsführer öffnet eine schwere Metalltür im Innern des Marktes. Kühle Luft strömt aus dem niedrigen, dunklen Raum. "Null bis 14 Grad haben unsere beiden Kühlräume, Weintrauben halten sich da zwei Wochen." Über Nacht werden Obst, Gemüse, Wasserflaschen hier gelagert. Und was ist mit überreifem Obst, das sich nicht mehr lagern lässt? "Das verkaufen wir verbilligt an Imbisse und Restaurants, die können das noch verarbeiten."

Auch George Tural, Verkäufer im kleinen Gemüseladen "Istanbul" in der Potsdamer Straße, schützt die empfindliche Ware mit Markisen und Kühlraum vor der Hitze. "Den Salat spritzen wir am Tag dann noch alle 15 Minuten mit Wasser ab, damit er knackig bleibt."

Der Betreiber eines winzigen Naturkostladens in der Pohlstraße verkauft sein Bio-Obst im Innern. Da ist es vor Sonnenstrahlen sicher. Trotzdem ist die Hitze ein Problem. Besonders Beeren und Salate, die viel Wasser enthalten, werden schnell schlecht. Nachts kommen sie in den Kühlschrank. Er zeigt auf eine Pappkiste mit kleinen Augustäpfeln, bei manchen sind noch Blätter dran. "Wenn die mal eine braune Stelle haben, ist das nicht so schlimm. Das stört auch meine Kunden nicht." Dafür sind sie unbestrahlt. Sein Gemüse müsse auch gar nicht behandelt werden, um lange Transportwege zu überstehen - die Möhren und Gurken zieht er im eigenen Garten.

Das restliche Obst und Gemüse holt er sich wie die anderen beiden Gemüsehändler auf dem Fruchthof an der Beusselstraße. Hier sind Lagerung und Reifegrad der zarten Ware bis ins Detail perfektioniert. In der Halle vom "Obst- und Gemüsegroßhandel Weihe" lagern Früchte und Gemüse in zwei verschiedenen Kühlhallen. Weihe-Geschäftsführer Walter Herzog, Herr über zimmerhohe Tomatenkisten-Stapel und ein Meer an Bananen, zählt auf: Pfirsiche, Äpfel und Möhren fühlen sich bei null bis sechs Grad und feuchter Luft wohl, bei Melonen und Mandarinen sind sechs bis zehn Grad ideal. Gurken brauchen 15 Grad.

Doch nicht alle Kunden wollen reifes Obst. Die Krankenhäuser etwa ordern freitags gelbgrüne Bananen, damit die am Montag früh süß und saftig sind. "Eine Banane hat übrigens nach Ernte, Verschiffung und Reifung rund drei Wochen hinter sich, bis sie im Laden liegt", erzählt Herzog. Wenn sich Lieferungen verspäten, weil Piloten oder Kapitäne streiken, ist logistisches Geschick gefragt. Beim Wetter aber versagt seine Macht: "Nach einem Gewitter machen weiche Früchte ganz schnell schlapp, vielleicht wegen der Temperaturschwankungen". Übrig gebliebenes Obst und Gemüse verschenkt er an Suppenküchen.

Und Herzog verrät noch einige Tipps zum Früchtekauf: Wenn sich bei einer Ananas die oberen Blätter leicht herausziehen lassen, ist sie reif. Eine Wassermelone ist gut, wenn sie beim Klopfen dumpf klingt. Wer grünliche Kartoffeln im Laden sieht, sollte sie nicht kaufen - "die grüne Schale bildet sich durch zu viel Licht und ist giftig." Doch nicht jedes Obst gehört in den Kühlschrank: Südfrüchten wie Bananen ist das zu kalt. Und ist dann doch mal Schimmel dran, gehören sie nur noch an einen Ort: in die Mülltonne.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben