Berlin : Odyssee in der Nacht: Neun Stunden für den Flug nach Frankfurt

Klaus Kurpjuweit

Rund neun Stunden dauerte in der Nacht zu gestern ein Germania-Flug von Berlin nach Frankfurt (Main) - mit Zwischenlandung in Tegel. Die Maschine, die Berlin um 20.40 Uhr verlassen sollte, hob erst kurz nach Mitternacht ab, musste wegen eines Landeverbotes in Frankfurt zurück nach Tegel, um dann ein zweites Mal zu starten. Fast unmittelbar vorher war eine weitere Germania-Maschine gestartet, die ebenfalls schon stundenlang gewartet hatte. Der Schneefall hatte die Flugpläne durcheinander gewirbelt. Germania bot den Passagieren an, das Ticket gegen Erstattung zurückzugeben. Gebrauch machten davon aber nur wenige.

Das zuerst gestartete Flugzeug durfte in Frankfurt kurz nach 1 Uhr auch landen, während die zweite Maschine umdrehen musste. Nachdem der Pilot eine Weile über der Stadt gekreist hatte, kam die Ansage aus dem Cockpit: "Wie Sie vielleicht gemerkt haben, fliegen wir zurück nach Tegel. Der Flughafen in Frankfurt ist geschlossen."

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Von 20 Uhr bis etwa 22 Uhr war eine Piste in Frankfurt gesperrt, weil eine Maschine der Egypt Air neben das Rollfeld gerutscht war. Die andere Start-und Landebahn musste immer wieder vorübergehend gesperrt werden, um sie nach Schneefall räumen zu können. Warum die eine Germania-Maschine aus Berlin landen durfte, die andere aber umdrehen musste,ließ sich gestern nicht klären. Grundsätzlich gilt in Frankfurt ein Nachtflugverbot. Der Managing Director von Germania, Mustafa Muscati, sagte auf Anfrage, Germania habe alles versucht, um zu fliegen.

In Tegel konnte Germania das Nachtflugverbot mit einer Ausnahmegenehmigung umgehen und so kurz vor 2.30 Uhr auch wieder landen. Passagiere, die jetzt aufgaben, durften das Flugzeug verlassen. Wer sich allerdings nur etwas zu essen oder zu trinken besorgen wollte, hatte Pech. Ein Aus-und Wiedereinsteigen ließ der Bundesgrenzschutz nicht zu. An Bord des Billigfliegers gibt es aber keine Verpflegung.

Kurz vor 3 Uhr sprach der Pilot erneut zu den verbliebenen Passagieren: "Wie Sie vielleicht bemerkt haben, sind zwei Techniker an Bord gekommen." Eines der beiden Anti-Blockier-Systeme funktioniere nicht. Außerdem musste auf den Fahrer des Tanklasters länger gewartet werden. Er lag schon im Bett.

Immerhin konnten Germania-Mitarbeiter zwei Kisten mit Getränken auftreiben, die sie dann - entgegen den üblichen Gepflogenheiten - an die an Bord ausharrenden Passagiere verteilten. Gegen 4.20 Uhr durfte die Maschine den zweiten Versuch wagen. Um 5.23 Uhr landete sie in Frankfurt. Dort trafen die Fluggäste noch auf Passagiere, die um ein Uhr mit der anderen Maschine gekommen waren. Einige mussten nämlich auf dem Flughafen nächtigen, weil keine S-Bahn mehr fuhr und auch kein Taxi aufzutreiben war.

Germania fliegt seit dem 12. November mit vier Flügen pro Tag, außer sonnabends, als Konkurrent der Lufthansa zwischen Tegel und Frankfurt. Vorgesehen war ein Preis von 99 Euro pro Richtung, den Germania sogar auf 55 Euro senkte, nachdem die Lufthansa für einen Teil ihrer Plätze den Preis drastisch reduziert hatte - exakt zur Aufnahme der Germania-Flüge. Vom 1. Januar an verlangt Germania die vorgesehenen 99 Euro. Erst vor wenigen Tagen hatte die Fluggesellschaft noch stolz verkündet, dass bisher keiner ihrer Frankfurt-Flüge ausgefallen sei. Ob sie die Null-Ausfallquote auch unbedingt in der Nacht zu gestern halten wollte, sagte Muscati nicht. Die Lufthansa strich ihre Flüge.

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