Berlin : Öffentliches Gelöbnis: Diesmal ohne blanke Busen

Jörn Hasselmann

Die 189 Soldaten des Wachbataillons sollen am 20. Juli nicht von blanken Busen bei ihrem Gelöbnis abgelenkt werden. Im vergangenen Jahr hatten 18 junge Leute ebenfalls am Jahrestag des Hitlerattentates das Gelöbnis in ein wüstes Happening verwandelt. Nackte Frauen flitzten über den Rasen, garniert mit Trillergepfeife und Parolen, die auf Regenschirme geschmiert waren. Eine Garantie für ein völlig störungsfreies Gelöbnis will die Bundeswehr aber nicht geben. "In Berlin ist immer alles möglich", sagte Oberstleutnant Wolfgang Dobrig dem Tagespiegel. Das unter strengster Sicherheit stehende Gelöbnis beginnt am 20. Juli um 18 Uhr wiederum auf dem Parkplatz nördlich vom Bendlerblock. Die Rekruten sind von der 7. Kompanie des Wachbataillons aus der Julius-Leber-Kaserne. 41 Wehrpflichtige sind aus Berlin, 49 aus Brandenburg.

Das trotz der angekündigten Abperrungen als "öffentliches" Gelöbnis bezeichnete Zeremoniell ist kleiner als im Vorjahr. Damals gelobten 430 Soldaten. Die Störer hatten sich 1999 den Zutritt auf den Appellplatz verschafen können, weil Rekruten die nicht personengebundenen Einladungen weitergegeben hatten. So rief im Vorjahr einer der gelobenden Rekruten einem Demonstranten zu: "Olaf, das hätte ich nicht von dir gedacht." Zwei Störer hatten sich mit einem Presseausweis Zutritt verschafft. In diesem Jahr müssen die Rekruten ihre Angehörigen deshalb namentlich anmelden; eine Mengenbegrenzung wird es wie im Vorjahr jedoch nicht geben. Die Angehörigen werden nach einer Überprüfung in der Kaserne mit Bussen nach Tiergarten gefahren. Das Areal wird weiträumig abgeriegelt.

Die Kriegsgegner rechnen nicht damit, dass das Gelöbnis wirklich gestört werden kann. "Das vom Vorjahr lässt sich nicht mehr toppen", sagte ein Aktivist. Damals hatte es erstmals in der Geschichte der Bundeswehr direkt auf dem Appellplatz massiven Protest gegeben - und zwar auf dem Höhepunkt der Zeremonie. Bundeswehroffiziere nennen die Aktion noch heute mit gewisser Hochachtung "perfekt organisiert".

In diesem Jahr tritt die Szene nicht mehr einheitlich auf. Jede Gruppe plane eigene Aktionen, hieß es.

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