Berlin : Offensiv gegen Rechts: Hohenschönhausen startet Berliner Pilotprojekt

Mit einem Berliner Pilotprojekt will der Bezirk Hohenschönhausen Bildungsdefizite im Umgang mit rechtsextremistischen Gedankengut Jugendlicher abbauen helfen. Das Weiterbildungsprogramm soll ab 2001 Pädagogen, Erzieher und Sozialarbeiter kommunalpolitische Strategien gegen Ausländerfeindlichkeit an die Hand geben, um in den Schulen und Freizeiteinrichtungen diesen Ideologien offensiv entgegentreten zu können, wie Bezirksbürgermeisterin Bärbel Grygier (PDS) am Mittwoch sagte.

Derzeit lebten in diesem Ost-Berliner Bezirk 31 000 junge Leute zwischen 12 und 25 Jahren. Die Wissensvermittlung über die "richtige Auseinandersetzung" mit Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit sowie Rassismus sei das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Demokratische Kultur über rechtsextreme Tendenzen in der Plattenbausiedling.

Nach den Worten Grygiers ist Hohenschönhausen "kein hauptstädtischer Brennpunkt rechtsextremer Gewalt". Trotzdem sei wie in fast allen Bezirken der Hauptstadt ein "deutliches Potenzial rechtsextremer Einstellungen" bei Jugendlichen erkennbar. Deshalb sei es "dringend notwendig", alle Verantwortlichen für dieses Phänomen mehr zu sensibilisieren, betonte Grygier. Aufgabe der Schulen und Jugendprojekte müsse es sein, diesen Einstellungsmustern durch gezielte Programme und Handlungen entgegentreten zu können.

Nach Darstellung von Rechtsextremismusforscher Bernd Wagner, Leiter des Zentrums demokratischer Kultur, sind bei den Jugendlichen rechtsextreme Orientierungen "sehr weit verbreitet". Vielerorts fehle es an der Wahrnehmung rechter Ideologien, betonte er. Mit diesem Programm sollen die Handlungen von Lehrern und Erziehern im Umgang mit diesen Jugendlichen in Schulklassen und Freizeiteinrichtungen gestärkt werden.

Die Bürgermeisterin Grygier kritisierte Schulsenator Klaus Böger (SPD), dass er diesem "wichtigen Projekt" bisher die materielle Unterstützung versage. Der beantragte Zuschuss von 60 000 Mark für die Fortbildung der Pädagogen sei in seiner Verwaltung nicht genehmigt worden, sagte die Bürgermeisterin, die kürzlich auf Vorschlag der PDS in das Amt der Bürgermeisterin im neuen Großbezirk Kreuzberg-Friedrichshain gewählt wurde. 70 Prozent des Projekts werden ihren Angaben zufolge vom Bezirk selbst finanziert. Die Resonanz der Lehrkräfte auf das Angebot sei groß. Die Teilnahme sei freiwillig.

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