Berlin : „Ohne ihn kann die PDS einpacken“

Im Internet-Forum der Partei diskutiert die Basis Gregor Gysis Rücktritt und die Nachfolgefrage

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Von Sigrid Kneist

Über Politiker und Moral lässt sich derzeit trefflich streiten– auch im Internet-Forum der PDS. Mehr als 250 Beiträge beschäftigten sich bis gestern mit der Bonusmeilen-Affäre und dem Rücktritt Gregor Gysis als Wirtschaftssenator. „Gregor Gysi also auch korrupt“ und „Wer kommt als Nachfolger in Frage“ sind die Themen, die die Gemüter bewegen und zu teils weitschweifigen ideologischen Ergüssen ermuntern. In der Nachfolger-Frage werden nur wenige n genannt, die Basis scheint so ratlos wie die Parteiführung. Ein Nutzer namens Arne List aus Kiel, der ein eifriger Teilnehmer des PDS-Chats ist, schlägt den aus Frankfurt/Main stammenden stellvertretenden Parteivorsitzenden Dietmar Dehm vor. Ebenfalls aus dem Bundesvorstand der PDS will Schreiber „Tünneff“ den neuen Wirtschaftssenator rekrutieren und kann sich Bundesgeschäftsführer Dietmar Barsch in dieser Rolle vorstellen.

Ein anderer mit dem Benutzernamen „Metaller“ äußert die Vermutung, dass die PDS-Spitze im Karl-Liebknecht-Haus auf „Nummer Sicher“ geht und sich für die einstige DDR-Wirtschaftsministerin Christa Luft entscheiden wird, die er „als Technokrat begabt, ansonsten ohne Fantasie und Flair“ charakterisiert. Seine Empfehlung an den Parteivorstand: „Vorher wird aber auf Thierses Liste gecheckt, wie es sich mit dem Fliegen verhält.“

Chatter „Karol“ hingegen findet: „Ohne Gysi kann die PDS einpacken. Ade, Bundestag.“ „Jens“ aus Aachen glaubt eher, dass sich die PDS in Berlin aus der Regierungsverantwortung zurückziehen sollte: „Wieso muss die PDS sich auf solche Drecksarbeit einlassen? Sind die roten Socken in Berlin denn so bekloppt?“

Dass Gregor Gysis Rücktritt richtig war, davon ist „JH.Weiskopf“ überzeugt: „Weg mit jedem, der auch nur einen einzigen Euro verschwendet, in die eigene Tasche steckt.“ Schreiber „Sole Survivor“ ist der Meinung, dass Gysi in seiner Rolle als „Konkursverwalter von Berlin eher eine Belastung als eine Bereicherung des Wahlkampfes“ war.

Andere Schreiber sehen Gysi durch seinen Rücktritt rehabilitiert. „Hervorragend, emotional bewegend, enttäuschend und ermutigend zugleich: Der Rücktritt von Gregor Gysi ist konsequent und angemessen“, befindet „Carlos“. Der PDS fehle damit das bedeutendste Zugpferd, kurz vor den Wahlen. Man wisse noch nicht, wie sich das auswirken werde.

Während andere Gysis Rücktrittsgrund für nicht angemessen halten, ist beispielsweise ein Teilnehmer des Internet-Chats, der sich als „Tempelhofer“ ausgibt, anderer Meinung: „Es ist eindeutiger Missbrauch und Diebstahl.“ Das gelte auch, wenn kein großer Schaden entstanden sei. „Toll und rühmlich“ sei Gysis Abgang nun nicht und seine Erklärung eine einzige „Selbstbeweihräucherung“.

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