Berlin : Ohne Streifen

Christian van Lessen

Alle reden vom Klima, wir werden angesichts dieses merkwürdigen Winters immer sensibler für die Zeichen der Natur. Wir freuen uns, dass Eisbär Knut schon jetzt artgerecht halbwegs frost- und eisfrei im Zoo lebt. Wir schauen beim Spaziergang aufmerksamer in die Gegend, um verräterische Anzeichen für den Klimawandel zu sichten, freuen uns sehr verhalten, dass so früh die Knospen sprießen. Da passt es nur, dass gerade am Nordufer des Schlachtensees wilde Tiere herumlaufen, die uns vertraut und doch fremd vorkommen, vielleicht auch Vorboten eines anderen Klimas sind. Auf den ersten Blick sehen sie wie Wildschweine aus, aber etlichen Jungtieren, die selbst der Großstädter als Frischlinge kennt, fehlt, was Frischlinge ausmacht: die Streifen. Es irritiert Spaziergänger, dass ein ganzer Wildschwein-Wurf auffallend hell ist, nur ein paar Flecken hat. Zoo und Landesforstamt beruhigen auf Anfrage, dass solche Fehlfarben durchaus mal vorkommen, vielleicht auch, weil einst ein Hausschwein die Ahnengalerie gekreuzt haben mag. Aber die Frischlinge, wie auch immer gemustert, seien auffallend früh unterwegs. Alles scheint im Wandel.

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