Olympiabewerbung : Wowereit: Olympia-Träume geplatzt

Berlin will sich wegen der geplanten Bewerbung Münchens für 2018 nicht mehr um die Sommerspiele 2020 bewerben.

Lars von Törne,Ulrich Zawatka-Gerlach

Berlin Die schlechte Nachricht erreichte den Regierenden Bürgermeister am Dienstagmorgen. Da telefonierte er mit dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach. Der teilte dem Berliner Regierungschef mit, dass der DOSB München auffordert, sich für die Olympischen Winterspiele 2018 zu bewerben. Damit ist die bisherige Idee, dass sich Berlin oder Hamburg für die Sommerspiele 2020 bewerben könnten, „im Prinzip vom Tisch“, sagte Klaus Wowereit am Dienstagmittag enttäuscht.

„Ich nehme die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis“, erklärte er im Roten Rathaus. „Die Sommerspiele wären gut für Deutschland gewesen.“ Theoretisch könnte sich Berlin zwar immer noch bewerben. Wegen des langen Vorlaufs sei es aber unrealistisch, dass man bei einem möglichen Scheitern Münchens für 2018 noch schnell eine Berliner Bewerbung für 2020 auf den Weg bringe. „Ich wünsche München alles Gute“, sagte Wowereit. Man müsse die Entscheidung des Sportgremiums respektieren und es ebenfalls sportlich nehmen: „Wir werden München jetzt national und international unterstützen.“ Er hoffe jetzt nicht, dass München scheitert, sondern wolle vielmehr „alles tun, damit München erfolgreich ist“.

Eine Entscheidung gegen Berlin wollte Wowereit in der DOSB-Wahl für München nicht sehen. Es gehe vielmehr um die Entscheidung für die Winterspiele, die faktisch keine parallele Bewerbung für die zwei Jahre später stattfindenden Sommerspiele zulasse. Generell stehe Berlins Angebot aber weiterhin. Vielleicht für die Jahre 2024 oder 2028? „Das wäre zu weit in die Zukunft geschaut.“ Außerdem habe Berlin auch noch andere sportliche Großveranstaltungen vor sich, auf die man stolz sein könne. So werde man 2009 eine „fantastische Leichtathletik-WM“ in der Stadt erleben. Als Startplatz für die Tour de France – wie im Jahr 1987 – wolle sich Berlin allerdings bis auf Weiteres nicht bewerben, sagt Wowereit lachend. „Ich kann es aber auch nicht ausschließen.“

Wird Ostdeutschland benachteiligt, wenn es um die Bewerbung für die Olympischen Spiele geht? Dagegen spricht, dass Berlin für 2000 und Leipzig für 2012 kandidieren durften; allerdings ohne Erfolg. „Offenbar hat Deutschland insgesamt schlechte Chancen“, sagt Volker Rasch, Sprecher der Stadt Leipzig. Ballungsräume mit hoher Finanzkraft und Regionen, wo das IOC neue Märkte erschließen könne, seien besser dran.

Auch Kai Schulze, Pressereferent der Stadt Dresden, sieht nicht, dass der Osten zu kurz kommt. Immerhin habe sich das Nationale Olympische Komitee vor vier Jahren „auf das Experiment Leipzig eingelassen“. In Deutschland gebe es wohl nur drei Städte, die für die Olympischen Spiele in Frage kämen: München, Berlin und Hamburg. Wichtig sei dann eine Bewerbung, „die für das ganze Land tragfähig ist“. Hier dürfe nicht Regionalpolitik betrieben werden.

Nach der gelungenen Präsentation der Hauptstadt Berlin bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hatte der Regierende Bürgermeister Wowereit signalisiert, dass Berlin an der Ausrichtung der Olympischen Spiele interessiert sei. Erst einmal für 2016. Eine realistische Chance bestehe aber „frühestens 2020“. Berlin verfüge bereits über eine ausreichende Infrastruktur. Aber schon beim Auswahlverfahren des IOC 1993, für die Spiele 2000, war Berlin grandios gescheitert.

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