Berlin : Olympiastadion-Umbau wirft das Istaf aus der Bahn

AXEL BAHR

BERLIN .Die überarbeiteten Modernisierungspläne für das Olympiastadion haben gestern einen Eklat zwischen dem Senat und der Sport-Lobby ausgelöst.Bei der Präsentation des Entwurfs der Architekten Gerkan, Marg und Partner (gmp) wurde bestätigt, daß während der Umbauzeit das traditionelle Internationale Stadionfest Istaf für mindestens zwei Jahre nicht in der Arena stattfinden kann.Istaf-Veranstalter Rudi Thiel reagierte erbost auf die Aussagen der Architekten, da ihm eine Leichtathletik-Nutzung auch während der mehrjährigen Sanierungs- und Umbauarbeiten zugesagt worden war.

Nach Aussage von Thiel sei ihm in der Diskussion um den Ausbau zu einer mulitifunktionalen Arena stets versichert worden, daß das Istaf im Olympiastadion nicht gefährdet sei.Von den "neuen Plänen" sei er nunmehr völlig überrascht worden: "Uns wurde zugesagt, daß während des Umbaus das Istaf mit 50 000 Zuschauerplätzen stattfinden kann.Wir kommen uns verschaukelt vor.Immerhin gehört das Istaf als Bestandteil der Golden League zu den sechs besten Meetings der Leichtathletik auf der ganzen Welt." Dem spontanen Vorschlag der Architekten, auf die umliegenden Plätze - wie zum Beispiel das Maifeld - auszuweichen, erteilte Thiel eine klare Absage.Für Irritationen während der Präsentation sorgten zudem Aussagen von Bausenator Jürgen Klemann (CDU), der offenbar in Unkenntnis der Tatsachen zunächst verkündete, das Istaf könne problemlos veranstaltet werden.Erst auf Nachfragen räumten die Planer die gegenteilige Situation ein.

Der Landessportbund (LSB) reagierte distanziert auf das mögliche Aus für das traditionelle Istaf."Die Stadionpläne haben einen Kompromißcharakter und sollten nicht neu aufgerollt werden", so LSB-Sprecher Dietmar Bothe.Jetzt müßten alle Anstrengungen unternommen werden, um für die Veranstaltung eine Überbrückungslösung zu finden.Dazu könnte gehören, den Jahn-Sportpark durch mobile Tribünen Istaf-gerecht auszubauen.Rudi Thiel hingegen rechnet schon jetzt damit, daß er die Verträge kündigen muß.In diesem Fall könne eventuell Köln den Zuschlag für die "Golden League" erhalten und Berlin rutsche in die "zweite Liga" ab.Als eine alternative Überbrückung für das Istaf käme eventuell das Münchener Olympiastadion in Betracht.

Mit vorsichtigem Wohlwollen quittierte Hertha-Präsident Walter Müller den modifizierten Entwurf.Positiv sei die Erhöhung der Zahl der vermarktbaren Logen von 25 auf zunächst 85, obwohl er sich mehr als 100 Logen durchaus vorstellen könnte.Weitere notwendige Nachbesserungen sieht Müller auch bei der Dachkonstruktion.Hier wurden die in den Innenraum führenden Streben von 26 auf 22 reduziert.Ziel der Technik müsse aber sein, ohne die sichtbehindernden Pfeiler auszukommen."Eine Menge Hausarbeit" sei noch mit Blick auf die Infrastruktur und die vermarktbaren Flächen im und rund um das Stadion zu leisten.Hertha BSC werde in den weiteren Gesprächen "als Mahner" auftreten.Der Senat hofft nun, auf Basis des Architektenplanes bis Mitte Mai bis zu zehn mögliche Bewerbungen für den Betrieb des Stadions vorliegen zu haben.Bis zur Sommerpause soll dann der Zuschlag für das Projekt erfolgen.Die Finanzierung ist bislang nicht geklärt.

Das Konzept

Das marode Olympiastadion soll zu einer für Fußball-, Leichtathletik- und andere Großveranstaltungen geeigneten Massenarena umgebaut werden.Herzstück der Konstruktion sind mobile Tribünen für etwa 20 000 Zuschauer, die bei Fußballspielen dicht an den Spielfeldrand gefahren werden können.Nach Fertigstellung der Arbeiten im Jahr 2003 sollen insgesamt 77 000 Zuschauer in dem Oval Platz haben.

Der Umbau wird derzeit mit rund 600 Millionen Mark kalkuliert und umfaßt neben der Grundsanierung auch eine Dachkonstruktion, die vor dem Glockenturm offen ist und deswegen aus statischen Gründen im Innenraum Streben benötigt.Der erste Entwurf mit 26 Streben hatte Kritik hervorgerufen, weil damit mindestens 1200 Zuschauern die Sicht verstellt wurde.(links) Nun soll das Dach nur noch von 22 Streben gestützt werden.Aufgrund des Fifa-Reglements werden ausschließlich Einzelsitze eingebaut, die sich nach den gmp-Plänen klappen lassen.Um die mobilen Tribünen zu installieren, muß die Innenfläche der Arena um 3,50 Meter abgesenkt werden. AX

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