Berlin : Oswalds Woche: Jetzt in den Urlaub?

Oswalds Woche - Live Chat:<br><br>Heute abend cha

Im Sommer ist es am schönsten in Berlin. Oder wollen Sie etwa jetzt auf Mallorca sein? Erstens schaffen Sie es gar nicht pünktlich dorthin, weil die Zufahrt zum Flughafen Tegel einem Hindernislauf gleicht. Wenn Sie es schaffen, erwarten Sie Streiks, feindlich gesonnene Einheimische und - am schlimmsten - Berliner als Strandnachbarn. Wer dort ist, schimpft auf die Massen. Touristen sind immer die anderen. Die Balearen-Regierung will die Urlauber jetzt mit Videokameras überwachen, um gegen Orgien vorzugehen. Wenn man sich wenigstens anschließend das Video der eigenen Orgie kaufen könnte, aber nein.

Dann schon lieber hierbleiben. Ein gutes Buch lesen. Wo die Orgien doch immer weniger werden. Die Love Parade ist schon lange keine mehr, daran ändern auch die vielen Videos nichts, die von ihr gemacht werden. Filmliebhaber wissen: Der erste Tonfilm des aus Berlin stammenden Regisseurs Ernst Lubitsch hieß "The Love Parade". Der Streifen war ein Kassenknüller damals, 1929. Gestern abend gab es eine Vorführung im Kino Central.

Derweil sorgt sich die Wirtschaftssenatorin Juliane von Friesen darum, dass die Orgien in den Berliner Clubs immer weniger werden. Die Parteilose sagte der von einer Schließungswelle bedrohten Clubszene Hilfe zu und organisiert jetzt Kontakte zwischen Clubbetreibern und der Immobilienbranche. Der Senat will den Clubs Partyorte anbieten. Nachdem den illegalen Clubs jahrelang das Leben schwer gemacht wurde. Aber dafür kann die neue Senatorin schließlich nichts. Warum engagiert sie sich? Wegen der vielen Tausend Arbeitsplätze, die am Nachtleben hängen? Weil sie wiedergewählt werden will? Vielleicht will sie nur erreichen, dass die Türsteher sie reinlassen. Da sollten die Clubs kräftig pokern und sofort das verlangen, wonach allen Branchen dürstet: Milliarden-Subventionen der EU.

Für eine ordentliche Orgie braucht man einen strapazierfähigen Teppich. Wo kauft man den am besten? Bei Frank Steffel? Vorsicht. Der Vorsitzende des Orient-Teppich-Verbandes, Hagshenas Kourosh, hat jetzt klargestellt, dass Frank Steffel gar kein Teppichhändler ist und sich in diesem Zusammenhang heftig gegen die Diskriminierung von Teppichhändlern verwahrt. Die Branche fürchtet um ihren Ruf. Anlass ist eine Wahlkampfpostkarte der Grünen, auf der es heißt: "Stell Dir vor, Du kommst aus dem Urlaub zurück und der pöbelnde Teppichhändler ist Bürgermeister". Für Leute, die eine Orgie feiern wollen, ist weniger der Grünen-Wahlkampf entscheidend als die Frage, ob man bei Steffel Teppiche kaufen kann, ja oder nein. Kourosh konzediert immerhin, dass Steffel "einige Teppiche im Sortiment" hat.

Na dann ist ja gut.

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