Berlin : Oswalds Woche: Zum Date nur mit Fernbedienung

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"Ich sehe mir keine Filme an", sagte der Regisseur, "ich mache selber welche". "Ich auch nicht", sagte der Filmkritiker, "ich schreibe darüber". Dieser Satz kursierte einst unter einigen Berliner Filmkritikern, die der Meinung waren, ihre Zunft solle nicht urteilen, sondern nur beschreiben. Von diesen Leuten hat man lange nichts mehr gehört, und so müssen sich Schauspieler und Regisseure weiter damit abfinden, verrissen zu werden. Der Berliner Schauspieler Götz George hat daraus Konsequenzen gezogen. Er lese prinzipiell keine Kritiken seiner Filme, sagt er. "Mein Lehrer und künstlerischer Ziehvater Heinz Hilpert hat mir bereits in den sechziger Jahren verboten, Kritiken zu lesen, weil sie beeinflussen könnten." Er habe allerdings gelernt, "Tiefschläge einzustecken", weil Kunst in Deutschland "nicht sonderlich wahrgenommen" werde. George: "Ich lebe und arbeite in diesem Land, also muss ich auch mit der hiesigen Mentalität umgehen." Er sei jedoch im Laufe der Jahre "sensibler und verletzlicher" geworden.

Der härteste Kritiker ist das Publikum. Haben Sie sich nicht auch schon mal gesagt: "Ich sehe mir keine Filme an, ich glaube selbst, ich bin im Film?" Zum Beispiel, wenn Sie mit einem verheirateten Weichei in einer Bar sitzen, das seine Frau verleugnet, oder noch besser, über sie jammert? Aber schweifen wir jetzt nicht ab. Wenn Sie mit einem solchen Mann ins Kino gingen, wären sie besser unterhalten, als wenn sie mit ihm Caipirinha trinken. Das gilt sogar für Filme mit Götz George oder das Frühwerk von Alexander Kluge. Filmemacher Kluge, Star des alten deutschen Films und des neuen deutschen Fernsehens, hat jetzt in einer Diskussion in der Deutschen Film- und Fernsehakademie die Sendung "Big Brother" in Schutz genommen. Seine Komplimente an das Fernseh-Publikum werden aber wohl kaum dazu führen, dass es künftig sein cineastisches Werk goutiert. Fernsehen ist einfach besser. Man kann - schwupps - jederzeit umschalten. Kluges Diskussionspartner Peter Sloterdijk zitierte ein portugiesisches Sprichwort: "Das Schlimmste trifft nicht immer zu". Gilt dieses Sprichwort auch, wenn es nicht um die Beurteilung von "Big Brother" geht? Was meinen Sie? "Es kommt darauf an, mit welchem Mann man verheiratet ist", werden Sie zu Recht sagen. Wenn er das Datum vergisst, an dem sie sich verliebten, wenn er vergisst, den Müll runter zu tragen und Ihre Blusen zu bügeln, wenn er drei Mal am Tag vergisst, "ich liebe dich" zu sagen. Aber vielleicht gehört Ihr Mann ja zu jenen 20 Prozent, die kürzlich in einer Allensbach-Umfrage angaben, sie seien bereit, sich einen Chip ins Hirn pflanzen zu lassen, wenn das die Leistung ihres Gedächtnisses steigern würde. So ein Chip im Hirn Ihres Mannes hätte einige Vorteile. Er könnte sich nicht mehr mit seiner Vergesslichkeit rausreden, und: Wenn er Unsinn redet, dann nehmen Sie einfach die Fernbedienung, und - schwupps - sein Hirn ist abgeschaltet. Und weil viele Ehemänner gleich ticken, können Sie die Fernbedienung auch mitnehmen, wenn Sie sich mit einem anderen verheirateten Mann treffen. Der hat den gleichen Chip in seinem Hirn und wenn er anfängt, zu lügen oder über seine Frau herzuziehen, - schwupps - ist der Schwachkopp abgeschaltet. Nur auf Eines sollten Sie achten: Dass er vorher den Champagner bezahlt hat.

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