Berlin : Palast der Republik: Ballhaus des Ostens

Lothar Heinke

Der Palast der Republik, eines der größten Abrüstungsobjekte dieser Republik, scheint immer mehr aus dem Bewusstsein zu entschwinden. Je ruinöser sein Zustand, desto geringer die Hoffnung auf Wiederkehr. Aber - was kommt an seine Stelle? Und wenn das Ballhaus des Ostens abgerissen würde - begänne nicht ein großes Wehklagen über den Verlust eines Kommunikationszentrums inmitten der Stadt, in der davon geträumt wird, den Palast durch ein neues altes Schloss zu ersetzen und dieses mit toten Gegenständen zu füllen statt mit Musik, Theater, Geselligkeit, Essen, Trinken, Tanz?

Ein großes Thema, das uns noch lange beschäftigen wird. Dazu bedarf es eines sicheren Fundaments an gesicherten Kenntnissen. Auch die Erinnerung an gutes, billiges Speisen in den großen Restaurants des Palastes der Republik oder an kulturelle Darbietungen im wandelbaren Saal oder im TiP, dem "Theater im Palast", verblasst oder verklärt sich, manche wissen gar nicht mehr, wovon sie reden, wenn über den Palast gestritten wird. Entweder, sie waren nie drin, oder sie haben vergessen, was wo wie war.

Nach- und Abhilfe schafft ein Buch, das jetzt im Verlag Bauwesen erschienen ist. Der Bild-Text-Band "Ein Palast und seine Republik" ist eine ausführliche Dokumentation, mit der Thomas Beutelschmidt und Julia M. Novak versuchen "auszuloten, was der einst beliebte und heute heftig umstrittene Mehrzweckbau vielleicht doch noch zu einer Gestaltung des Berliner Schlossplatzes beitragen kann", wie die beiden Herausgeber hoffen.

Siebzehn Autoren aus Ost und West äußern sich - manchmal etwas steif und langatmig, aber nie uninteressant - zu Geschichte, Architektur und Funktion des im April 1976 eröffneten und am 19. September 1990 aufgrund seiner Asbestkontamination zur "Entsorgung" geschlossenen Hauses. Die Texte beschäftigen sich damit, ob der Palast nun Denkmal oder Altlast ist, sie untersuchen die Konzeptionen für das Ost-Berliner Zentrum, betrachten die Historie der Mitte, das Design des Hauses, seine kulturelle und politische Funktion und die Schlossplatzdebatte mit den diversen Ideen, was mit dem abgetakelten Flaggschiff sozialistischer Baukunst geschehen soll.

Um welche "inneren Werte" es beim PdR geht, zeigen Fotos, Entwürfe und Zeichnungen - diese vielschichtige Dokumentation in Bild und Wort macht das Buch zu einem Standardwerk. Als Zugabe für Nostalgiker liegt eine Chronologie sämtlicher Veranstaltungen in dem Großen Saal und im TiP bei - ausgenommen die 46 politischen Großveranstaltungen, bei denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen war.

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