Berlin : Palast der Republik: Von wegen "Schnäppchen"

Christian van Lessen

Genau 143 372 000 Mark wird - nach aktuellem Stand - die Asbestbeseitigung im ehemaligen Palast der Republik kosten, die im September nächsten Jahres beendet sein soll. Nur etwa die Hälfte, rund 69 Millionen Mark, waren noch vor drei Jahren angekündigt, obwohl Gutachter zuvor mit bis zu 200 Millionen Mark, Bauexperten des Bundes und der Haushaltsausschuss des Parlaments selbst 100 Millionen Mark eingeplant hatten. Aber mit dem "Schnäppchen" von nicht einmal 70 Millionen war ein Baufirmenkonsortium unter Führung der Strabag bei der Ausschreibung erfolgreich, der Bund vergab den Auftrag.

Doch schon damals wurden Zweifel laut, ob dieser Preis wirklich realistisch sei. Vor allem ein Gutachten des Berliner Ingenieurbüros Tepasse hatte Anerkennung gefunden. Es ermittelte, dass die Asbestsanierung 102 Million Mark kosten könnte, das Gebäude anschließend sofort wieder zu nutzen sei. Mit dem Ausbau der Kellerwanne entstünden Kosten von 150 Millionen Mark. Der damalige Verkehrs- und Bauminister Franz Müntefering zeigte sich erstaunt, dass sein Amtsvorgänger Eduard Oswald nicht das um 20 Millionen Mark preisgünstigere Angebot einer vom Unternehmen Züblin angeführten Bietergemeinschaft berücksichtigt hatte. Das frühere Mitglied der Baukommission, Peter Conradi, würdigte die Auftragsvergabe an die teuere Bietergemeinschaft als "Hammer". Dass es letztlich viel teurer kommen könnte, ahnten wenige.

Auch wenn von der aktuellen Summe von 143 Millionen noch 8,8 Millionen Mark abgezogen werden müssen, die für die Inventarverlagerung ausgegeben wurden - an der Kostenexplosion ändert das nichts. Beim Bund richtet man sich auf weitere Hiobsbotschaften ein, zumal erst 60 Prozent des Asbests beseitigt sind. Nach Auskunft von Helmut John von der Oberfinanzdirektion sind bislang 93 Millionen Mark "beauftragt und ausgegeben". Die Mehrkosten seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass man beim Bau des Palastes der Republik - was zunächst nicht bekannt gewesen sei - auch ummauerte Stützpfeiler direkt mit Asbest verkleidete; technisch unnötig, weil die Ummauerung als Feuerschutz ausreichte.

Rund 3000 Tonnen Baumateralien sind abgeräumt, darunter 720 Tonnen Asbest. Von vier Bauteilen ist die einstige Volkskammer fertig, das Foyer zur Hälfte, der Große Saal mit drei Obergeschossen. Mit dem Keller ist noch nicht begonnen worden. Ursprünglich sollte die Asbestbeseitigung im letzten Mai beendet sein.

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