Berlin : Panne nach Festnahme von Drogenkurieren

WERNER SCHMIDT

BERLIN .Nach der Festnahme von Drogenkurieren in der Türkei mehren sich die Pannen bei der Polizei.Informationen werden nur zögerlich und teils unvollständig übermittelt.Die Rauschgiftfahnder in Berlin fürchten, daß sich die hiesigen Hintermänner der Schmuggelaktion großen Stils unbehelligt aus dem Staub machen könnten, weil Fahndungerkenntnisse entweder von der Türkei bisher nicht weitergeleitet worden sind, oder weil sich das zuständige Bundeskriminalamt (BKA) womöglich diesem Fall nicht mit der notwendigen Intensität widmet.

"Was wir wissen, wissen wir hauptsächlich aus der Presse", gestand gestern ein Berliner Rauschgiftfahnder."Stinkig" sei er, weil bisher ausgesprochen wenig, dafür aber falsche Informationen weitergeleitet worden seien.

Jeweils bei dem Versuch, die Türkei bei Izmir mit der Fähre in Richtung Italien zu verlassen, waren die Berliner "Touristen" der Polizei ins Netz gegangen.Wie berichtet, war am Sonntag zunächst ein Paar festgenommen worden.Der 22jährige Mann und dessen 19jährige Freundin hatten 70 Kilo Heroin im Wohnwagen versteckt.Gefunden wurde es nach Auskunft der türkischen Polizei angeblich bei einer Routinekontrolle.Das Paar soll 50 000 DM erhalten haben.

Berliner Fahnder widersprechen.Es sei eine deutlich geringere Summe gezahlt worden: "Es waren unter 10 000 DM", sagte ein Kripobeamter unter Berufung auf die spärlichen Informationen vom BKA.Hintermänner in Berlin sollen den Wohnwagen gemietet und den angeblich ahnungslosen Kurieren übergeben haben.In der Türkei holten sich wiederum unbekannte Mittelsmänner für etwa zwei Tage den Wohnwagen.Erst nach dessen Rückgabe will der 22jährige Mann "etwas geahnt" haben.Er und seine Freundin sind bei der Berliner Polizei bisher "unbeschriebene Blätter".Dabei sind sich die hiesigen Fahnder noch nicht einmal sicher, ob die Personalien korrekt übermittelt worden waren.

Ähnlich äußerte sich ein 24jähriger Mann, der am Montag ebenfalls in Izmir bei der Ausreise nach Italien festgenommen worden war.60 Kilogramm Heroin waren in seinem Wohnwagen versteckt.Auf ihn und dessen mazedonischer Ehefrau soll die türkische Polizei nach der Festnahme des ersten Paares aufmerksam geworden sein.Allerdings muß dieser Drogenkurier bereits in Berlin gewußt haben, auf was er sich einläßt; denn er räumte ein, seine Frau und sein Kleinkind "zur Tarnung" mitgenommen zu haben.Um die Rauschgiftspürhunde zu täuschen, wurde im Wagen sogar Haarshampoo ausgeschüttet.In beiden Fällen mußten die Kuriere telefonisch weitere Instruktionen aus Deutschland einholen.Aber diese Telefonnummern brachten die hiesigen Fahnder nicht weiter.Vermutlich wurden sie ebenfalls nicht korrekt übermittelt.Was die Drogenfahnder in Berlin am meisten erzürnt, ist die Tatsache, daß es das BKA bisher nicht fertigbrachte, den Namen des Wohnwagenverleihers mitzuteilen: "Wir haben natürlich ein starkes Interesse daran zu erfahren, wer dahintersteckt.Die Chancen stehen gut, daß er morgen schon untergetaucht ist." Die hiesigen Drogenfahnder haben Angst, daß die Drahtzieher der Berlin-Istanbul-Connection die Pannen nutzen, um ihre Zelte abzubrechen und sich in Sicherheit zu bringen.

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