Berlin : Panoramabus mit Klimaanlage: Die neue Doppeldecker-Generation kommt

Klaus Kurpjuweit

Sein Erscheinungsbild wird er ändern, das Wahrzeichen auf den Straßen aber wird er bleiben - der Doppeldeckerbus. Der Bestand nimmt ab, doch wohl noch 2001 wird die BVG eine Neubestellung europaweit ausschreiben. Ein Berliner Konstruktionsbüro hat einen futuristischen Nachfolger der letzten Serie von 1994 als "Panoramabus" entwickelt. Der Große Gelbe ist für Ullrich Malcke und Hartmann Uhland kein Unbekannter. Sie waren Konstrukteure bei der Waggon Union, die einst die Aufbauten für die BVG-Doppeldecker herstellte. Waggon Union ist im Adtranz-Konzern aufgegangen.

Die technischen Vorgaben für den Neuen kommen von der BVG, die derzeit dafür ein so genanntes Lastenheft entwickelt. Danach soll die künftige Generation der Doppeldecker mit etwa 13,5 Meter rund eineinhalb Meter länger werden als die Vorgänger, was etwa 90 Sitzplätze zulässt - rund 10 mehr als heute. Die Höhe von 4 Metern ist dagegen europaweit vorgeschrieben. Eine durchgehend niederflurige Bauweise soll den Einstieg erleichtern, und eine Klimaanlage für gute Luft ist ebenfalls vorgesehen.

"Alles zu schaffen", sind Malcke und Uhland überzeugt. Ihr Ergeiz geht noch weiter. Sie stellen sich einen Bus vor, den es so noch nicht gegeben hat. Gefertigt wird er aus Kunststoff, die Einzelteile werden zusammengeklebt. Vorbilder sind der Flugzeug- und Schiffsbau. Einem Kunststoffbus von Neoplan war vor Jahren allerdings kein Erfolg beschieden. "Die Technik hat sich weiterentwickelt", sagt Uhland. Das Gerippe besteht aus einer Art Fachwerk mit dünnen X-förmigen Streben, die eine großzüge Verglasung zulassen und einen Rundblick fast wie in einem offenen Bus ermöglichen. Die Anregung gab die Eisenbahn. Nach einem ähnlichen Fachwerkprinzip ist der von Adtranz entwickelte "Regio-Shuttle" gebaut worden, der mit großem Erfolg fährt.

Zunächst sollen die Busse noch einen herkömmlichen Dieselantrieb erhalten, doch der Umstieg auf Brennstoffzellen ist fest geplant. Die BVG will diesen umweltfreundlichen Antrieb im nächsten Jahr testen. Der Diesel- oder Brennstoffzellenmotor soll im Doppeldecker dann Elektromotore antreiben, die direkt auf den Radnaben sitzen.

Während die BVG annimmt, dass die neuen, längeren Busse wegen des größeren Gewichts drei Achsen erhalten müssen, glauben Malcke und Uhland, wie bisher mit zwei Achsen auskommen zu können, was die Kosten senkt. Der Bus soll ohnehin nicht mehr kosten als ein Gelenkbus. Bisher waren die Doppeldecker rund 100 000 Mark teurer. "Im Preis war aber viel Luft", sagt Malcke.

Obwohl der Doppeldecker weniger Fläche auf der Straße beansprucht als der Gelenkbus und mehr Sitzplätze bietet, will die BVG die Zahl der Doppeldecker weiter verringern. Derzeit sind knapp 600 im Einsatz, in Zukunft sollen es nur noch 400 sein. Einst ließ die BVG allein im Westteil der Stadt mehr als 1000 über die Straßen rollen. Immerhin: Ganz verschwinden soll der Doppeldecker nicht. Und vielleicht gelingt mit dem neuen Modell der große Wurf, mit dem auch das "Verkehrskompetenzzentrum" Berlin werben könnte.

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