Paralympics-Tag : Es kommt was ins Rollen

Blindenfußball, Fechten, Rollstuhlparcours: Mehr als 45.000 Zuschauer kamen zum Paralympics-Tag am Brandenburger Tor.

Annette Kögel
Paralympics
Blinde Fußballer begeistern das Publikum vor dem Brandenburger Tor. -Foto: dpa

Die Zuschauer feuern ziemlich lautstark an, aber der Knall ist deutlich zu hören: Spieler Nummer 10, René Thissen, ist ungebremst gegen die Bande gelaufen. Man darf nicht zimperlich sein als Blindenfußballer, das wurde beim „International Paralympic Day“ (IPD) deutlich. Vorm Brandenburger Tor präsentierten sich neben der deutschen und der spanischen Blindenfußball-Nationalmannschaft rund 100 Spitzenathleten des Behindertenleistungssports. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) sprach von mehr als 45 000 Gästen im Tagesverlauf.

Auf dem Parcours konnten auch Menschen ohne Behinderung testen, was behinderte Sportler leisten. Besucherin Andrea Ramsteck war beeindruckt von der Leistung der Fußballer. „Wir Sehenden sind ja schon auf dem Blindenparcours für jedermann über Steine gewackelt und gegen Wände gelaufen.“ Die Neuköllnerin ist mit Angel, 8, und ihrem Bruder Andy, 7, unterwegs. Jetzt probieren die beiden Kinder, wie es sich im Rollstuhl fährt. Die meisten Besucher hier sind nicht freiwillig auf zwei Rädern unterwegs, aber der Sport hat ihnen geholfen, das Tief nach Unfall oder Krankheit zu überwinden.

Zum Beispiel Esther Weber-Kranz aus Freiburg, deren Erfolge gerade mal so auf eine Autogrammkarte passen. Heute betreut die Ex-Fechterin den Rollstuhlparcours und gibt Nachwuchsathleten Tipps. Am Fechtstand legen Kinder Kopfschutz und Weste an und am Schießstand helfen Ehrenamtliche wie Dietmar Sturmhöfel. Der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst hatte sich für diesen Tag freigenommen. Prinzessin Alexandra, Tochter von Maria Teresa, Großherzogin von Luxemburg, übte sich im „Schießen nach Tönen“. Auch Behindertensport-Förderin Katarina Witt wurde als Gast erwartet. Beim Sportfest heizten Alba-Cheerleader und die Fasstrommelgruppe „Trommelfeuer“ ein – mit Blick auf die Paralympics in China 2008.

Sportjournalist Marcel Bergmann, selbst Rollifahrer, schwärmt schon von Peking: „Eine völlig andere Welt, wir vom ZDF machen vorher alle einen Chinesisch-Kurs.“ Auch beim Tagesspiegel laufen die Vorbereitungen: Die von dieser Zeitung in der Pekinger Mittelschule Nr. 80 erstellte „Paralympics Zeitung“ soll einem der größten Blätter des Landes, der „China Youth Daily“, beigelegt werden.

Gestern war erst einmal der Tag der Mini-Spiele, und der Regierende Klaus Wowereit erinnerte daran, dass Integration eine gesellschaftliche Aufgabe sei – über den Tag hinaus.„Die Kulisse hier ist großartig“, sagt eine Mitarbeiterin am Stand von Medizintechnikhersteller Otto Bock Health Care, einem der größten Förderer der Paralympics. Es war der dritte IPD, bislang fand er zweimal in Bonn statt. In Berlin waren RBB und Tagesspiegel Medienpartner. Annette Kögel

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