Berlin : Parlamentsbauten: Pannen und Premieren

Christian van Lessen

"Bauschäden" ist ein Reizwort für viele Abgeordnete und Mitarbeiter des Bundestags geworden, und vor allem die parlamentarische Baukommission und ihr Vorsitzender Dietmar Kansy (CDU) werden zunehmend ungeduldig. Im Reichstagsgebäude ist auch nach mehr als zwei Jahren die Haustechnik nicht in Ordnung. Dann musste der für diese Tage vorgesehene Einzug ins Jakob-Kaiser-Haus an der Dorotheenstraße auf Oktober verschoben werden, weil der Brandschutz nicht funktionsbereit ist. Nun hofft man, dass nicht innerhalb der nächsten zehn Tage wieder eine Hiobsbotschaft kommt und Premieren zunichte macht.

Denn am 23. Juli soll der Einzug ins Paul-Löbe-Haus beginnen und bis zum 6. August abgeschlossen sein. Ursprünglich sollte das schon Ende 1999 geschehen. André Lundt von der Bundesbaugesellschaft ist zuversichtlich, dass nichts mehr dazwischenkommt. Es müsse nur noch die Verbindung zur Energieleitzentrale im Reichstag geknüpft werden, und die sei in Ordnung. An Sitzungssälen und ihrer Ausstattung werde noch bis September gearbeitet. Der mit seinem Sekretariat einziehende Haushaltsausschuss will nach Auskunft des Bundestagssprechers Hans Hotter aber "am 27. Juli alles fertig haben"; erste Sitzungen sind im Oktober. Mit dem Einzug ins Paul-Löbe-Haus wird die zweite große Umzugswelle des Bundestags beginnen - diesmal innerhalb der Stadt. Der Parlamentsbau, vorwiegend für Ausschüsse, wissenschaftliche Fachdienste aber auch für die zentrale Besucherbetreuung geplant, wurde vom Münchener Architekten Stephan Braunfels entworfen; der kammartige Bau, der eine - lückenhafte - Verbindung zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt schafft, beherbergt auch Büros für 275 Abgeordnete.

Die Gebäudeblöcke des Jakob-Kaiser-Hauses entlang der Dorotheenstraße und des Reichstagsufers sollen nun vom 22. Oktober an bezogen werden. Der größte der rund zwei Milliarden Mark teuren Bundestagsneubauten - zwei Drittel aller Abgeordneten werden hier unterkommen - ist stark im Verzug, hätte ursprünglich schon Ende 1999 fertig sein sollen. Vor zwei Monaten stellte sich heraus, dass eine Firma die computergestützte Gebäudetechnik mit der Brandschutzsteuerung nicht termingerecht fertigstellen kann. Nun sollen die Arbeiten Anfang Oktober beendet sein, eine zweiwöchige Erprobungsphase ist aber anschließend unumgänglich.

Technische Tücken gehören auch immer noch zum Alltag im Reichstagsgebäude. Die erstmals eingesetzte elektronische Fassadensteuerung, die Jalousien, Raumtemperatur, Rauchabzug, Fenster- und Türöffnungen regulieren soll und mit 20 000 Messstellen verbunden ist, ist fehlerhaft. Gut die Häflte dieser Stellen funktioniert nicht, in diversen Räumen ist es zu warm, in anderen zu kalt, es gibt immer wieder Fehlalarme für Aufzüge. Außerdem ist es schwierig, die Programmsprache der Gebäudetechnik in untergeordnete Systeme zu übersetzen.

Zusätzliches Personal musste eingesetzt werden, es sind bereits Mehrkosten in Millionenhöhe entstanden. Die verantwortliche Firma soll nicht mehr auf dem Markt sein, andere suchen in der Technikzentrale nach Fehlern. Ein Ausbau des Systems ist nach Auskunft der Bundesbaugesellschaft kaum möglich, weil es sonst an die Substanz des Gebäudes ginge.

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