Party-Hauptstadt : Berliner Clubs erhalten eine Million Euro für die Nachtruhe

Parlament legt Schallschutz-Fonds für Musikclubs auf. Betreiber hoffen, so Schließungen zu verhindern.

Das Yaam hat sich gerade erst am neuen Standort an der Schillingbrücke eingelebt, doch es gibt Lärmklagen.
Das Yaam hat sich gerade erst am neuen Standort an der Schillingbrücke eingelebt, doch es gibt Lärmklagen.Foto: Paul Zinken/dpa

Wenn wummernde Beats und grölende Partygänger Anwohnern den Schlaf rauben, wird auch der toleranteste Nachbar irgendwann wütend. Kommt es zu einer Klage, ziehen Musikclubs häufig den Kürzeren und müssen schließen – auch, weil sie sich die Kosten für den Lärmschutz nicht leisten können. Hier soll jetzt ein Fonds Abhilfe schaffen, der nun bei den Haushaltsverhandlungen im Abgeordnetenhaus beschlossen wurde.

Das Berliner Parlament stellt eine Million Euro für die Minderung von Feierlärm zur Verfügung, zum Beispiel durch schallschluckende Einbauten in Musikstätten, Lärmschutzwände in Außenbereichen, aber auch für Personal zur Sensibilisierung der Nachtschwärmer und Maßnahmen wie Schallschutzfenster bei Anwohnern.

CDU forderte sogar fünf Millionen Euro

Die CDU-Fraktion hatte sogar fünf Millionen Euro für den Lärmschutz gefordert. Doch immerhin sei ein Anfang getan, sagt Christian Goiny, Clubexperte der CDU, der sich seit Jahren für die Belange der Hauptstadt-Clubs einsetzt. Er findet es unmöglich, wenn jemand eine teure Wohnung in einem der neuen Hochhäuser am Spreeufer kauft und sich dann über den Club gegenüber beschwert.

Probleme mit den Nachbarn haben aktuell in Berlin mindestens zehn Feierstätten, darunter das Yaam, die Kulturbrauerei sowie die Clubs Johnny Knüppel und Birgit & Bier am Flutgraben. Manchmal helfen schon einfache Kniffe, zum Beispiel, wenn Musikboxen umgestellt werden oder ein Dialogverfahren zwischen den verschiedenen Interessensvertretern vermittelt.

Clubkultur soll in der Innenstadt bleiben

Manchmal sind aber auch teure Maßnahmen notwendig, um den Lärm, der von den Clubs ausgeht, für die Anwohner erträglich zu machen – häufig zu teuer für Kultureinrichtungen mit saisonal bedingten Einnahmen und kurzfristigen Mietvertragslaufzeiten.

„Die Clubkultur hat Berlin so viel gegeben, dass die Stadt zur Rettung der Clubs jetzt auch mal in die Tasche greifen muss“, sagt Georg Kössler, clubpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, der den Beschluss mit ausgearbeitet hat. In Zeiten, in denen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (ebenfalls Grüne) versucht, Touristen in die Außenbezirke zu locken, müsse die Clubkultur in der Innenstadt dennoch erhalten bleiben – das sieht auch Pop so. In ihrer Verwaltung soll der Fonds angesiedelt werden.

Die Clubcommission begrüßt den Beschluss. „In einer sich verdichtenden Stadt, in der Wohnbebauung dicht an Musikspielstätten rückt, muss in Lärmschutz investiert werden, um eine Koexistenz zu gewährleisten“, sagte ihr Sprecher Lutz Leichsenring. „Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Konflikten zwischen einzelnen Anwohnern und Clubs oder Musikbars.“

170 Clubs mussten seit 2011 schließen

Etwa 170 Locations mussten von 2011 bis 2015 dichtmachen, zuletzt die King Size Bar in der Friedrichstraße. Wichtig sei nun, dass ein Abrufen der Fördergelder unkompliziert und kurzfristig möglich sei.

Wie das Geld verteilt wird, ist noch nicht klar. Möglich wäre eine Anlehnung an das Hamburger Modell, wo eine gemeinnützige Clubstiftung die Mittel vergibt. Diese wurde 2010 von der Stadt Hamburg und dem Clubkombinat – also quasi der Hamburger Clubcommission – ins Leben gerufen, um die musikalische Attraktivität der Stadt zu sichern. Ihr Ziel ist, mit Fördermodellen die Lärmschutzkosten für Hamburger Musik-Clubs abzumildern. Der Vorstand wird vom Clubkombinat ernannt und von einem Beirat überwacht, der aus einem Senatsvertreter, einem Clubkombinatsvertreter und einem von beiden gemeinsam benannten Mitglied besteht.

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