Berlin : Party-Verbot für Désirée Nick

Aidshilfe reagiert auf Entgleisung bei Benefizgala

Matthias Oloew

Jetzt hat die Entertainerin den Bogen überspannt. Dschungel-Queen Désirée Nick wird von der Berliner Aidshilfe (BAH) künftig nicht mehr zur Benefizgala eingeladen. „Ihr Auftreten war taktlos“, sagt Kai-Uwe Merkenich, BAH-Geschäftsführer, „hätte ich das mitbekommen, hätte ich sie rausgesetzt.“

Der Hintergrund der Aufregung: Nick hatte sich für Fotos der Klatschpresse in einem Rollstuhl geräkelt, der einem Besucher der Gala im Theater des Westens gehörte, der schon im Saal Platz genommen hatte. „Es ist mir ein Rätsel, wie man sich auf so einer Veranstaltung so dermaßen daneben benehmen kann“, so Merkenich weiter. Der Rollstuhl gehörte einem Gast, dem sich die BAH besonders verbunden fühlt, arbeitet er doch seit 20 Jahren beim niedersächischen Sozialministerium in der Aids-Prävention.

Désirée Nick ist darüber sehr erstaunt: „Bette Midler, die große Schwulenikone, ist doch schon vor 30 Jahren im Rollstuhl auf die Bühne geschoben worden“, sagt sie, und findet nicht, dass sie sich für die Fotos rechtfertigen muss: „Ich habe den Rollstuhl für eine Sanitätseinrichtung des Theaters gehalten.“ Die Ausladung zu künftigen Benefiz-Veranstaltungen der BAH kann sie nicht verstehen: „Ich habe seit 15 Jahren kein Aids-Benefiz ausgelassen und habe mich immer für die Betroffenen engagiert.“

Auch Djamila Rowe hatte einen peinlichen Auftritt. Das Fotomodell, dem eine Affäre mit dem ehemaligen Schweizer Botschafter in Berlin nachgesagt wurde, präsentierte sich am Rande der Gala. Vor deren Beginn posierte sie für die Fotografen, einer von ihnen ließ die Hosen herunter – und das wiederum war ein Motiv für andere Fotografen der Boulevardpresse.

Im Gegensatz zu Désirée Nick war Djamila Rowe nicht eingeladen, sondern mit einer regulären Kaufkarte gekommen. Ihren Auftritt zu verhindern, lag nicht ihrer Macht, sagen die Veranstalter.

Andere Veranstalter gesellschaftlicher Ereignisse sind in einer etwas komfortableren Situation. Zum Beispiel die Organisatoren des Bundespresseballs, der am Freitag im Hotel Intercontinental stattfindet. Für den Ball gibt es keine frei verkäuflichen Eintrittskarten, und die Sicherheitsauflagen verlangen, dass sich jeder Gast ausweist. Dennoch war beim Bundespresseball vor zwei Jahren das beherrschende Gesicht nicht der Kanzler oder der Bundespräsident – sondern Dieter Bohlen. Er war von einem Sponsor eingeladen worden. Und darauf hatten die Veranstalter keinen Einfluss.

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