Berlin : PDS will alle aussichtsreichen Listenplätze

Matthias Meisner

Gregor Gysi, Petra Pau, Gesine Lötzsch sollen führen. Doch spätestens vom Listenplatz vier an wird es mit dem Parteifrieden vorbei sein. Dann setzt, wenn am Wochenende die PDS die Landesliste zur Bundestagswahl aufstellt, eine „wilde Bewerberei“ ein, sagt Parteisprecher Axel Hildebrandt voraus. Denn in der Hauptstadt sind PDS und WASG, die sich im Bund auf ein Linksbündnis verständigt haben, noch lange nicht auf einem Nenner. Selbst wenn es an der Umbenennung der PDS in Linkspartei auch in Berlin keinen Zweifel mehr gibt.

PDS-Landes- und Fraktionschef Stefan Liebich bestätigte am Mittwoch noch einmal, dass er ein Entgegenkommen an die WASG bei der Kandidatennominierung ablehnt. Alle aussichtsreichen Plätze beansprucht die PDS für sich. Für Platz vier vorgeschlagen wird vom Landesvorstand Hakki Keskin, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Dessen Kandidatur hat PDS-Bundeschef Lothar Bisky persönlich eingefädelt. Doch die WASG will die Erzieherin Renate Herranen auf diesem Platz sehen, der bei einem guten Abschneiden ein Parlamentsmandat verspricht. Auf Platz sechs will die WASG den Verdi-Sekretär Ralf Krämer gegen die Berliner Abgeordnete Evrim Baba ins Rennen schicken, wie Herranen war auch Krämer früher in der PDS.

Auch in der PDS selbst regt sich Widerstand gegen die Durchmarsch-Strategie von Liebich. Der PDS-Ehrenvorsitzende Hans Modrow hält die Strategie der Landespartei für „destruktiv“. Im Bündnis mit der WASG sieht Modrow die Chance, das „gegenwärtige Minus“ der PDS in West-Berlin im Vergleich zum Ostteil der Stadt zu verringern. Die von der WASG angekündigten Kampfkandidaturen „halte ich für berechtigt“, sagte Modrow. Die Listenaufstellung in Berlin ist die letzte aller 16 Landesverbände der PDS.

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