Berlin : Pensionierungswelle soll Aushilfslehrer finanzieren

SPD und PDS wollen Schulen freie Mittel geben, um den Unterrichtsausfall auszugleichen

Susanne Vieth-Entus

SPD und PDS wollen die aktuelle Pensionierungswelle bei den Lehrern nutzen, um Gelder für die Bekämpfung des Unterrichtsausfall zu erhalten. Dies zeichnet sich dem Vernehmen nach bei den Koalitionsverhandlungen ab. Die Grundidee besteht darin, frei werdende Stellen unter Umständen nicht neu zu besetzen, sondern den finanziellen Gegenwert in bar an die Schulen zu überweisen. Sie könnten dann auf die Schnelle Teilzeit- oder Vertretungskräfte einkaufen.

Im Gespräch ist, dass die Schulen drei Prozent ihrer Personalmittel als verfügbares Budget bekommen. Allerdings ist absehbar, dass die Pensionierungen nicht sofort ausreichen werden, um genügend freie Mittel zu gewinnen. In der Übergangszeit müsste deshalb zusätzliches Geld aufgebracht werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wies unterdessen die Kritik anderer Bundesländer an Berlins hohen Bildungsausgaben zurück: Berlin habe im Zusammenhang mit der Verfassungsklage in Karlsruhe bereits „offensiv begründet“, warum es in einigen Bereichen mehr ausgeben müsse als andere Länder.

Unabhängig davon, woher das Geld für die Honorarbudgets kommen wird, setzen die Schulen schon jetzt viele Hoffungen auf dieses neue Instrument. Rund 20 von ihnen haben seit Jahren Erfahrung mit den flexiblen Geldern, weil sie an entsprechenden Modellversuchen teilgenommen haben. Sie verzichteten auf eine Personalreserve in Gestalt von einigen Lehrern und bekamen stattdessen den Gegenwert ausgezahlt. Pro Lehrer sind dies rund 45 000 Euro. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) sagte gestern, dass „keine zentrale Verwaltung so flexibel reagieren kann wie die Schule vor Ort“.

Einer, der überzeugt ist von den Vorzügen der so genannten Personalkostenbudgetierung, ist der Leiter der Spandauer Martin-Buber-Gesamtschule, Lutz Kreklau. Ihm fehlte beispielsweise eine Lehrkraft für drei Stunden Geschichte. Es gelang ihm, eine Lehrerin, die im Erziehungsurlaub war, für die drei Stunden zu gewinnen. Kreklau hebt hervor, dass die Qualität des Vertretungsunterrichts steigt, wenn nicht heute der eine und morgen der andere Kollege einspringt, sondern eine Honorarkraft langfristig zur Verfügung steht. Insgesamt erhält er dafür pro Jahr 60 000 Euro. Allerdings gibt er zu bedenken, dass es angesichts des Lehrermangels künftig schwieriger wird, gute Honorarkräfte zu bekommen.

Nur unwesentlich konkretisieren sich unterdessen die Pläne in Sachen „Gemeinschaftsschule“. Allerdings gibt es inzwischen einige Schulen, die mit der Teilnahme an dem geplanten Pilotprojekt ab Sommer 2007 liebäugeln. Darunter sind auch Gymnasien, die unter Schülermangel leiden und deshalb bereit wären, komplette Klassen aus Grundschulen zu übernehmen – also auch potenzielle Hauptschulkinder.

Zu denen, die am Pilotprojekt interesiert sind, gehört der Leiter der Charlottenburger Friedensburg-Gesamtschule, Paul Schuknecht. Er ist deshalb zu dem von der GEW initiierten „Runden Tisch Gemeinschaftsschule“ eingeladen worden, der morgen im Rathaus Schöneberg tagt. Schuknecht will aber nichts entscheiden, ohne zu erfahren, welche Bedingungen die Pilotschulen bekommen werden.

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