• "Peppermint Patty" schleudert Brandsätze - aus Solidarität mit hungerstreikenden Asylbewerbern

Berlin : "Peppermint Patty" schleudert Brandsätze - aus Solidarität mit hungerstreikenden Asylbewerbern

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Ein Bekennerschreiben stellt die gängige Praxis der Einheitsessen als menschenunwürdige Abschreckungsmethode dar - das Deutsche Rote Kreuz verweist auf gesetzliche Vorgabenhost/Ha/se

Der Brandsatz, den die Polizei am Donnerstag auf einem Parkplatz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sicher gestellt hatte, galt offenbar einem Auto des DRK. In einem Schreiben an den Tagesspiegel bekannte sich eine bislang unbekannte Gruppe namens "Peppermint Patty" zu dem Anschlag. Als Grund nennen die Täter die Art, wie das Rote Kreuz mit Flüchtlingen umgeht. Der Brandsatz war nach Angaben der Polizei in den frühen Morgenstunden des Donnerstages abgelegt worden und hatte offenbar nicht gezündet. Der Leiter des Staatsschutzes, Peter Haeberer, hält das Schreiben für authentisch. Die in dem einseitigen DIN-A-4-Schreiben angegebene Internet-Adresse "für weitere Infos: www.flammen-auf.de" ist allerdings nicht vergeben.

Die Täter werfen dem DRK vor, Asylbewerber nicht "menschenwürdig" zu behandeln. Das Rote Kreuz, das drei Flüchtlingsheime betreibt, lasse die Heimbewohner nicht selbst einkaufen und kochen, sondern zwinge sie zu einem Einheitsessen. "Viele der BewohnerInnen sind deshalb krank geworden und/oder haben stark abgenommen", heißt es. "Dahinter steht ein Prinzip der Abschreckung und des Deutlichmachens, daß Flüchtlinge hier unerwünscht sind." Seit Ende September befinden sich rund 80 Flüchtlinge aus Protest gegen das Einheitsessen in einem Heim des Roten Kreuzes im Hungerstreik. Schon im vergangenen Jahr hatte es mehrere Anschläge in Berlin und Brandenburg gegeben, unter anderem auf einen Supermarkt in Prenzlauer Berg. Der oder die Täter seien bislang nicht ermittelt worden, sagte Haeberer gestern.

DRK-Sprecherin Susanne Arabi weist die Vorwürfe gestern zurück. Das Asylbewerberleistungsgesetz sehe seit einer Änderung im vergangenen Jahr eine Vollverpflegung für sogenannte Paragraph 1 a-Flüchtlinge, sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge sowie Menschen ohne Papiere und ungeklärte Anträge, vor. "Das gesamte Deutsche Rote Kreuz hat sich seinerzeit gegen diese Flüchtlingsversorgung ausgesprochen", sagte Arabi. Dennoch müssten die Wohlfahrtsverbände staatlichen Vorgaben erfüllen. Das DRK hatte Verträge für ein Heim in Spandau und zwei Heime in Pankow mit dem Bezirk Spandau, der federführend für die Vertragsverhandlungen in verschiedenen Bezirken zuständig ist. Jetzt will Sozialsenatorin Hübner beim Spandauer Sozialamt nach Härtefällen, beispielsweise Diabetikern, erkundigen und klären, ob diese von der Gemeinschaftsverpflegung ausgenommen werden könnten.
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