Berlin : Per Express in den Stadtplan

Die CDUwill nicht fünf Jahre warten, um den verstorbenenPapst zu ehren. Pro & Contra

Werner Schmidt

Erst mal Fakten schaffen, wenn auch nur symbolisch, dachte sich die CDU und hat am Sonnabendvormittag den Bebelplatz kurzzeitig umbenannt in den Johannes- Paul-II.-Platz. Die Christdemokraten aus Mitte möchten nämlich, dass in Berlin eine Straße oder ein Platz nach dem am 2. April verstorbenen Papst benannt wird – und zwar möglichst bald und nicht erst nach einer Frist von fünf Jahren. Aber mit diesem Begehr steht die Partei bisher allein auf weiter Bezirksflur.

Anfang vergangener Woche hatte die CDU in Mitte wie berichtet einen Vorstoß in Richtung schnelle Umbenennung unternommen, war aber am Donnerstag mit ihrem Antrag in der BVV gescheitert: Die SPD hatte dagegen gestimmt. Keinesfalls „sind wir grundsätzlich dagegen, einen geeigneten Ort nach dem verstorbenen Papst zu benennen“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende von Mitte, Christian Hanke. Aber das Berliner Straßengesetz sehe eine Wartezeit von fünf Jahren vor. Diese Zeit sollte genutzt werden, um einen geeigneten Ort zu finden, an dem man die Verdienste von Johannes Paul II. würdigen könne. Der CDU dauert das zu lange. „Ich erwarte, dass der Senat dieser historischen Ausnahmeerscheinung die erforderliche Ehre erweist“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU- Fraktion im Abgeordnetenhaus, Frank Henkel. Er hat zusammen mit dem CDU- Kreisvorsitzenden von Mitte, Stephan Tromp, die Bebelplatz-Umbenennung vorgenommen. Es dürfe keinesfalls ein „unwürdiges Gezerre“ um eine Namensgebung entstehen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sei gefordert, denn wenn der Senat die Straßenumbenennung dem Bezirk aus der Hand nehme, dann entbinde dies von der fünfjährigen Wartepflicht, sagt Henkel.

Allerdings: Bisher musste noch jeder so lange auf seine Straße warten. Nach Ex-Bundeskanzler Willy Brandt, der 1992 gestorben war, wurde erst 1997 ein Teil der Molktestraße in Tiergarten zwischen Moltkebrücke und Paul-Löbe- Straße benannt. Auch der israelische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Yitzhak Rabin kam spät in Berlin zu Ehren: Erst 2004 wurde ein Teilstück der Entlastungsstraße nach dem 1995 ermordeten Politiker benannt.

Bisher ist in Berlin erst eine Straße nach einem Papst benannt: Die Pacelliallee in Dahlem erinnert an Papst Pius XII. – bürgerlich Eugenio Pacelli. Er war 1920 bis 1930 Nuntius in Berlin und wurde 1939 zum Papst gewählt. Seine Gegner warfen ihm vor, zu Hitler und dem Nationalsozialismus geschwiegen und nichts gegen den Holocaust unternommen zu haben.

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