Berlin : Pflaster aufs Herz

Zwei Berliner verkaufen Pillen gegen Liebeskummer – mit Erfolg

Aliki Nassoufis

Für Jutta Reckschmidt war es eigentlich nur eine Schnapsidee. Als mehrere ihrer Freundinnen im vergangenen Jahr Liebeskummer hatten, stellte sie fest: Es gibt nichts gegen gebrochene Herzen. Das wollte Reckschmidt zusammen mit einem Freund, Kai Liedtke, ändern. Die von ihnen entwickelten „Liebeskummerpillen“ sind seit einem Monat in zehn Szeneläden der Stadt zu kaufen.

Die Pillen sind rosafarben und sehen aus wie ein Medikament aus der Apotheke. In Wirklichkeit sind es jedoch 25 Gramm kleine Milchschokoladenlinsen. Die eigentliche Liebeskummerhilfe liegt den Pillen wie eine Art Beipackzettel bei. Auf dem dünnen Papier sind insgesamt zehn unterschiedliche Tests abgedruckt, die mit Hilfe von jeweils zehn Fragen ermitteln, wie schlimm es den „Patienten“ erwischt hat. „Nimm erstmal eine Hand voll Liebeskummerpillen und atme tief durch“, steht da zum Beispiel drauf. „Lachen ist wichtig“, findet die 33-jährige Reckschmidt. „Auch bei Liebeskummer.“

Die Pillen-Idee entstand im August 2002. Die Forstwissenschaftlerin und der Germanist nahmen den „3. Ideen- und Gründerwettbewerb Friedrichshain-Kreuzberg“ der Organisation „Enterprise Berlin“ als Anlass, ihre ursprüngliche Schnapsidee zu konkretisieren. Sie entwarfen die Pillenpackung, auf der ein blutendes Herz mit einem aufgeklebten Pflaster zu sehen ist. Die Idee gewann in dem Wettbewerb zwar keinen Preis, doch von den Besuchern einer begleitenden Ausstellung erhielten Reckschmidt und Liedtke großen Beifall.

„Zu dem Zeitpunkt gab es nur die Box, aber noch keinen Inhalt“, sagt Reckschmidt, die damals arbeitslos war. Sie baute einen „laienhaft gebastelten Dummy“, wie sie sagt und schickte ihn an das Geschäft „Dom“ am Hackeschen Markt. „Die riefen gleich an und bestellten 54 Kartons mit 3800 Pillenpackungen“, erinnert sie sich. Sie organisierte dann die eigentliche Produktion der Liebeskummerpillen, die nun in einer Schokoladenfabrik bei Hannover hergestellt werden.

Da die Fabrik eine Mindestbestellmenge von 500 Kilogramm hatte, liegen nun 20 400 Liebeskummerpillenschachteln im Neuköllner Büro der Pillenerfinder. Angst, auf diesem Schokoberg sitzen zu bleiben, müssen sie nicht haben. Seit Ende Mai läuft ein Testverkauf bei Kaufhof am Alexanderplatz. Wenn der erfolgreich ist, können Liebeskummergeplagte bald bundesweit in 70 Kaufhof-Filialen Tipps lesen wie: „Du bist aus dem Tal der Tränen raus – auf zu neuen Ufern!“

Die Pillen gibt es auch unter www.liebeskummerpillen.de sowie in diesen Geschäften: „Postkarten“, Oranienburgerstraße 51; „Vampir de Luxe“, Goltzstraße 39; „Adam und Eva“, Fasanenstraße 61 und im „Edelrausch“, Krausnickstraße 1

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