Pflichtgebühr : Regierung pokert ums Eintrittsgeld für Schlosspark Sanssouci

Rot-Rot in Brandenburg uneins über Gebühr Schlösserstiftung braucht Geld für Reparaturen.

Plichteintritt zum Neuen Palais. Darauf drängt zumindest die Schlösserstiftung. Sie will ab 2013 zwei Euro von jenem Besucher kassieren. Foto: pa/ZB
Plichteintritt zum Neuen Palais. Darauf drängt zumindest die Schlösserstiftung. Sie will ab 2013 zwei Euro von jenem Besucher...Foto: picture-alliance/ ZB

Der geplante Pflichteintritt für den Schlosspark Sanssouci wird in Brandenburgs Regierung zum Politikum. Die Preußische Schlösserstiftung drängt darauf, ab 2013 von den jährlich rund zwei Millionen Besuchern eine Gebühr von zwei Euro kassieren zu dürfen. Potsdamer sollen für 12 Euro eine Jahreskarte beziehen können. Über diese Pläne will der Stiftungsrat, dem der Bund, Brandenburg und Berlin angehören, auf der Sitzung am 29. Februar entscheiden.

Nach Tagesspiegel-Recherchen wird es von Brandenburg und damit vor allem von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) abhängen, ob der Parkeintritt in Sanssouci tatsächlich eingeführt wird. Bislang galt Platzeck, der früher Oberbürgermeister Potsdams war, als Gegner. Doch völlig ausgeschlossen ist ein Ja des Regierungschefs dem Vernehmen nach nicht mehr. Erst vergangene Woche hatten Platzeck, Innenminister Dietmar Woidke (SPD) und Finanzminister Helmuth Markov (Linke) auf einer Führungskräftekonferenz die Behördenchefs und Gerichtspräsidenten aus dem ganzen Land auf einen klaren Sparkurs eingeschworen und von ihnen Engagement und Ideen gefordert.

Zum Parkeintritt hat die rot-rote Regierung Brandenburgs (Stiftungsanteil 36,6 Prozent) bislang keine abgestimmte, einheitliche Linie, während der Bund ( 42,05 Prozent) die Pläne der Stiftung unterstützt, Berlin (Anteil 21,35 Prozent) sie mittragen würde. Linke-Finanzminister Helmuth Markov ist strikt dagegen, Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos, für SPD) vehement dafür. Staatskanzleichef Albrecht Gerber, der im Stiftungsrat sitzt, sieht einen Parkeintritt zwar kritisch. Er verweist etwa auf die „Tradition“. Auf das Abstimmungsverhalten des Landes wollte sich Gerber nicht festlegen. Für ihn sei als Alternative eine Tourismusabgabe der Potsdamer Hotels – trotz Ablehnung der Branche – noch nicht vom Tisch.

Während man in der Regierung versucht, den Konflikt vorher zu entschärfen und einen Showdown abzuwenden, macht Sanssouci-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh kräftig Druck. „Wir brauchen eine grundsätzliche Klärung“, sagte Dorgerloh. Die Einnahmen von jährlich 4,5 Millionen Euro, die sich die Stiftung vom Eintritt verspricht, würden für den gewachsenen Gartenpflegebedarf der Stiftung benötigt. Ob im Neuen Garten, in Sacrow oder Babelsberg, an vielen Stellen könne man derzeit „nur Notpflege betreiben, was weder dem Welterbe-Status gerecht wird noch zukunftsfähig ist.“ Er verwies darauf, dass Sachsen gerade Eintritt für den Schlosspark Pillnitz beschlossen habe, für den vierten eintrittspflichtigen Park im Freistaat. Er äußerte sich irritiert, dass sich in Brandenburg das Finanzministerium querstellt. „Angesichts der Debatte um die Landesfinanzen ist es nicht verständlich, wenn man eine Einrichtung daran hindert, zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften.“ Und nach den Erfahrungen der Stiftung seien höhere Zuschüsse des Bundes, Brandenburgs und Berlins illusorisch.

Auch in Potsdams Stadtpolitik gibt es weiter Widerstand. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte vor einem Jahr von Wegezoll gesprochen. Der Begriff ärgert Dorgerloh, weil so der Eindruck vermittelt werde, „als wäre der Park Sanssouci kein Welterbe, sondern eine städtische Transitstrecke“. Eine Prognose, wie der Poker ausgeht, wagt er nicht.

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