Berlin : Pflichtkurs für Eltern

Lichterfelder Schule fordert die Familien: Ohne vorherige Teilnahme keine Einschulung

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„Ohne Eltern geht es nicht“ – dies ist seit Jahren die Überzeugung, die die Arbeit der Lichterfelder Nikolaus-August-Otto- Hauptschule bestimmt. Als Konsequenz bietet die Schule seit drei Jahren verbindliche zehnwöchige Seminare für Eltern an, in denen ihre Erziehungskompetenz gestärkt und die Verbindung zur Schule hergestellt wird. Das Ergebnis ist so positiv, dass 14 weitere Schulen das Projekt übernehmen, darunter zwölf Hauptschulen.

„Anfangs dachten wir, dass sich die Eltern darauf nicht einlassen“, berichtet Lehrerin Eva Schmoll, die die Seminare an der Schule anregte. Diese Sorge bestätigte sich nicht: Obwohl sich die Eltern zehn Mal für jeweils zweieinhalb Stunden zu den Kursen auf den Weg machen müssen, hat die Schule mehr Nachfrage als Plätze. Dabei blieb es sogar, als die Schule die Latte noch höher legte: Neuerdings müssen sich beide Elternteile verpflichten mitzumachen, sofern beide in Berlin wohnen.

Das Seminar orientiert sich an dem Eltern-Trainingsprogramm Step aus den USA. Eva Schmoll hat es auf die Belange ihrer Schule zugeschnitten. „Wir erzählen den Eltern, wie der Unterricht abläuft. Schule soll transparent werden“, erläutert die Pädagogin ein Ziel der Fortbildung. So erfahren die Eltern auch, dass ihre Kinder morgens gleich wieder nach Hause geschickt werden, wenn sie nicht alle Materialien beisammenhaben. Außerdem wird ihnen erläutert, dass es keinen Sinn macht, für ihre Kinder die Hausaufgaben zu erledigen: Die Kinder sollen selbstständig werden.

Kursteilnehmer erzählen begeistert, dass sich das Familienleben merklich entspannt. Besonders loben sie, dass sie dazu ermuntert werden, gegenüber ihren Kindern konsequent zu sein – was sie sich früher oft gewünscht hatten, aber im Alltag nicht schafften. Und sie wissen es zu schätzen, dass sie schon vor der Umschulung ihrer Kinder Kontakt zu anderen Eltern aufbauen und ihre Sorgen mit ihnen teilen können.

Die Nikolaus-August-Otto-Schule gehört seit langem zu Berlins Vorzeige-Hauptschulen: Die Eltern sind weniger bildungsfern und problematisch als an anderen Hauptschulen. Aber Barbara Duske-Mernberger vom Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) ist sicher, dass das Elternseminar auch bei der typischen Hauptschulklientel erfolgreich sein kann. So nimmt an der Fortbildung ein arabischer Kollege teil, der den deutschen Lehrern bei der Umsetzung helfen kann. Inzwischen haben 14 Schulen beschlossen, 400 Euro und Personalmittel dafür aufzubringen, dass auch Pädagogen aus ihrer Mitte mit dem Step-Programm vertraut werden. Weitere Kosten trägt das Lisum, das der Bildungsverwaltung untersteht. Zu den 14 Schulen gehört auch die Paul-Löbe-Schule, deren Leiter gerade vorübergehend die Rütli-Schule führt. sve

Weitere Infos im Internet unter

www.nao.be.schule.de

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