Berlin : Pflüger sieht sich auf dem Durchmarsch ins Rote Rathaus

„ABS“ heißt das Wahlprogramm der Berliner CDU: Arbeit, Bildung, Sicherheit / Der Spitzenkandidat nennt das „Antiblockiersystem“ für die Politik

Werner van Bebber

Einstimmigkeit ist etwas Schönes. Einstimmig hat die Berliner CDU am gestrigen Sonnabend ihr Wahlprogramm beschlossen und zweierlei bewiesen: Dass sie mit sich und ihrem Spitzenkandidaten im Reinen ist – und dass es derzeit noch Wichtigeres als den Wahlkampf und den Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger gibt, zum Beispiel die Betrachtung des britischen Stürmerstars Wayne Rooney beim Fußballspielen. Davon abgesehen, haben sich die Berliner Christdemokraten selten so viel Mühe mit einem Wahlprogramm gemacht, haben es in kleinen Kreisen und größeren Regionalkonferenzen vorgestellt und diskutiert, ins Internet gestellt. Da musste man keinen ganzen Landesparteitag mehr für die Debatte draufgehen lassen.

Zumal derzeit keiner in der CDU offenen Streit riskieren will. Das Programm ist Pflügers Programm – er muss es den Berlinern verkaufen, damit sie an ihn glauben, möglichst ein bisschen überzeugender, als es derzeit die Umfragen glauben machen. Pflüger sprach auch das in seiner Rede an. Er versuchte, den 24 Prozent Zustimmung bei der jüngsten Umfrage die negative Wirkung zu nehmen, indem er auf den schlechten Bundestrend verwies. Und während der Fußballweltmeisterschaft solle man nicht polarisieren, sagte Pflüger, sondern gemeinsam die eigene Mannschaft unterstützen.

Das gilt auch für Pflügers Konflikte vermeidenden Stil in der Partei. Man halte ihm vor, sagte Pflüger, dass er nicht gleich Landesvorsitzender habe werden wollen, um so zu zeigen, dass es ihm langfristig ernst sei mit der Berliner CDU. Er habe aber eine Vereinbarung mit dem Landeschef Ingo Schmitt, wonach er erst 2007 antreten solle. Davon jetzt abzugehen, wäre kein Zeichen für Machtwillen, sondern charakterlos, sagte Pflüger: „Ich bin nicht auf der Durchreise, ich bin auf dem Durchmarsch ins Rote Rathaus.“

Der anhaltende Beifall zeigte, dass wenigstens die 311 Delegierten weiter guten Mutes und mit dem Kandidaten zufrieden sind. Pflüger bringt sein Programm auf die Buchstabenfolge ABS: Arbeit, Bildung, Sicherheit. Polit-lyrisch bedeutet es, dass er ein „Antiblockiersystem“ für die Berliner Politik anbieten will. Inzwischen sind einige Ideen zusammengekommen, für die sich vor allem politische Gourmets interessieren werden. So will die CDU ein Kombilohnmodell durchsetzen und aus dem Tempelhofer Flughafen mit seinem riesigen leer stehenden Raumvolumen eine Talentwerkstatt für junge ausländische Gründer und Wissenschaftler machen. Auch eine deutsch-türkische Eliteuniversität soll es dort geben. Die CDU verspricht eine Unterrichtsgarantie, ein Wahlpflichtfach Religion, Ethik, Philosophie, mehr Polizisten auf der Straße und mehr Videoüberwachung an Kriminalitätsbrennpunkten.

Pflügers Kandidatur verspricht auch tatkräftige Unterstützung von der Bundesebene. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Innenpolitiker Wolfgang Bosbach lobte den Spitzenkandidaten als einen feinen Kerl, Bundesbildungsministerin Annette Schavan bedauerte in einer Langstreckenpolemik den Berliner Schulsenator Klaus Böger, weil der nicht der wichtigste Mann ab Kabinettstisch sei, sondern vom Regierenden Bürgermeister ständig im Regen stehen gelassen werde. Die Delegierten feierten auch die Bundesprominenz mit Lust. Offenbar genießt die Berliner CDU das Gefühl, mal gemocht zu werden.

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