Berlin : Pflügers Freunde werden nervös

Die Strategen der Berliner CDU machen sich angesichts anhaltend schlechter Umfrage-Ergebnisse Sorgen um die Kampagne

Werner van Bebber

Nun werden sie unruhig in der CDU. Vor ein paar Wochen, als es mit dem Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger erstmals deutlich abwärts ging in den Meinungsumfragen, reagierten viele in der Partei eher gelassen. Die CDU war in den ersten Mai-Tagen mit 23 Prozent bei der Sonntagsfrage gemessen worden – und die Parteifreunde Pflügers führten das auf zwei, drei missverständliche Äußerungen zu strittigen Themen zurück, bei denen Pflüger schlecht beraten worden sei. Jetzt aber ist das anders: Die jüngste Umfrage sieht die CDU bei nur noch 21 Prozent und die SPD bei 36 Prozent. Neuerdings hat Rot-Rot sogar eine eigene Mehrheit. Schlecht für Pflüger ist aber vor allem, dass er bei keinem Thema, auf keinem Kompetenzfeld mit dem regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit konkurrieren kann, bei der Arbeitsmarktpolitik so wenig wie bei der Kriminalitätsbekämpfung.

Angesichts solcher Umfragedaten zerfällt die CDU in zwei Lager. Die einen glauben nicht, was sie lesen – weil es nicht zu dem passt, was sie erleben. Kurt Wansner zum Beispiel, CDU-Kreischef von Friedrichshain-Kreuzberg, hat „genau das Gegenteil festgestellt“, als er am vergangenen Wochenende im Bezirk Parteiwerbung gemacht hat. Wansner vergleicht 2006 mit dem Nach-Bankenskandal-Wahlkampf von 2001 – und fühlt sich gut: Die Leute diskutierten wieder mit der CDU, man frage nach den Konzepten der Partei. Michael Braun, Kreischef der Südwest-CDU, hat ähnliches erfahren: Er sei am vergangenen Wochenende „nur auf Bundesthemen“ angesprochen worden. Der Abwärtstrend ist aus seiner Sicht „der Bundestrend“. Die Berliner CDU habe sich im Wahlkampf „nichts vorzuwerfen“.

Das andere Lager in der Partei macht sich inzwischen größere Sorgen. Dort nimmt man – bei aller Sympathie für Pflüger – dessen Mangel an scharfen Kanten wahr. Der Kandidat sei offenbar in Streitfragen, in denen er gegen den Senat punkten könne, „nicht besonders glaubwürdig“. Soll heißen: Pflüger kam als Liberaler, führte sich als Großstadtmensch ein – und polterte gegen offenkundig harmlose Moschee-Bauer in Pankow und, so wurde er wahrgenommen, Rütli-Schüler, die aus der Spur geraten waren. In der CDU wissen die meisten, dass Pflügers Positionen eher die des linken Parteiflügels sind. Aber „er hat nicht den Mut, er selbst zu sein“, fürchten nun manche.

Das aber wäre nötig, um in der Stadt zu erzeugen, was derzeit nicht spürbar ist – eine Wechselstimmung. Die Leute fragten sich: „Was ist die Kernbotschaft, die Pflüger von Wowereit unterscheidet“, sagt ein erfahrener Wahlkämpfer. So lange diese Frage ohne Antwort sei, tendierten wahrscheinlich manche zur SPD, weil die sozusagen das Original ins Rote Rathaus schicken will. Pflüger müsse „polarisieren“, um die Gegensätze deutlich zu machen. Inzwischen haben manche Zweifel, dass Pflüger der Mann der scharfen Kontraste ist. Um so wichtiger sei es, dass er dann wenigsten authentisch ist, sagen seine politischen Freunde.

Neue Akzente werden erwartet. Ein Unterstützer- oder „Kompetenz“-Team will Pflüger aber erst kurz vor der Wahl präsentieren. So haben jetzt einige das Gefühl, dass dem Kandidaten und der Berliner CDU im Wahlkampf die Zeit davon läuft.

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